Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vom Februar 2018 wurde die deutsche Kolonialzeit zum ersten Mal in einem Atemzug genannt mit Nationalsozialismus und DDR als
dunkles Kapitel deutscher Geschichte.
Man versprach sich davon ein neues Verhältnis zu Afrika und ein anderes Denken über Migration und Globalisierung. Der französische Präsident hatte sogar angekündigt, dass Frankreich aus Kolonien geraubte Kunst zurückgeben werde.
Seither ist in Deutschland wenig geschehen. Weder der Bundespräsident noch Bundesaußenminister Maas (SPD) haben eine deutsche Position dazu formuliert. Und die Staatsministerin für auswärtige Kultur Michelle Müntefering (SPD) hat es bei der Rückgabe von Gebeinen der Herero und Nama, den Opfern des deutschen Völkermords von 1915, vermieden, den Genozid einzugestehen. „Die damaligen im deutschen Namen begangenen Gräueltaten waren das, was heute als Völkermord bezeichnet würde, auch wenn dieser Begriff erst später mit rechtlichen Normen unterlegt wurde.“ Frankreichs Präsident Macron hat mittlerweile die Folterungen im Algerienkrieg als solche anerkannt.
Kulturstaatsminsterin Monika Grütters (CDU) hat immerhin einen „Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ erlassen. Die deutschen Museen sollten ihre aus dem 19. Jahrhundert stammenden Inventare aktualisieren. Ansonsten verzettelt Deutschland sich. Ohne ein Bekenntnis von der Spitze des Staates agiert die Forschung ohne Ziel (Jörg Häntzschel, SZ 22./23.9.18).