2143: Gleichberechtigung stärkt die Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Drei neue wissenschaftliche Studien zeigen, dass dann, wenn in einer Gesellschaft die Gleichberechtigung praktisch weithin gegeben ist, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen wachsen. Es sind die Untersuchungen von Erik Giolla und Petri Kajonius (International Journal of Psychology), Suang Jiang (Plus One) und Gisbert Stoet und David Geary (Psychological Science). Chancengleichheit, so ein Fazit dieser Untersuchungen, könnte dazu führen, dass sich die Geschlechter erst recht unterscheiden.

Ihre gewonnenen Daten haben die Forscher in Beziehung gesetzt zum Global Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums. In China etwa zeigen die Persönlichkeitsprofile von Männern und Frauen eine Überlappung von 84 Prozent. In den Niederlanden nur zu 61 Prozent (Deutschland: 65 Prozent, Schweden: 63 Prozent). Die Frage ist seit längerem, wie groß dieser Effekt ausfällt.

Frauen erzielen in den Big Five (den wichtigsten Persönlichkeitsdimensionen) höhere Werte: – Neurotizismus, – Extraversion, – Offenheit für Erfahrungen, – Verträglichkeit, – Gewissenhaftigkeit. Der Unterschied fiel größer aus, je ausgeprägter die Geschlechtergerechtigkeit war. Es sieht so aus, als bewegten sich Männer und Frauen in Richtung klassischer Geschlechterrollen, wenn sich Gleichberechtigung verbessert. Wenn der soziale Druck auf Geschlechter nachlässt, reduziert sich der Zwang, Geschlechterrollen zu entsprechen.

In Staaten mit eher geringer Gleichberechtigung schreiben sich mehr Frauen in MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ein als in Staaten mit hoher Gleichberechtigung. In Algerien, Tunesien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sind mehr als 35 Prozent der Studierenden dieser Fächer Frauen. In Finnland, Norwegen und den Niederlanden nur um die 20 Prozent. Dazu können auch wirtschaftliche Zwänge führen. In Algerien und Tunesien ist ein Studium der Kunstgeschichte ein größeres ökonomisches Wagnis als in Europa.

In den MINT-Fächern sind Frauen weltweit genau so gut wie Männer, aber im Lesen besser. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mathematik oder ein ähnliches Fach die persönliche Stärke ist, fällt bei Jungen infolgedessen höher aus, weil sie im Lesen im Verhältnis oft schlechter sind. Wenn die Interessen der jungen Menschen außerhalb der MINT-Fächer liegen, bedeutet das keineswegs, dass sie es nicht können. Sondern dass man etwas anderes noch besser kann oder lieber mag. So könnte es also ein Zeichen von Gleichberchtigung und Freiheit sein, wenn Frauen lieber etwas anderes studieren als ein MINT-Fach (Sebastian Herrmann, SZ 20.9.18).

Wann begreifen das die deutschen Bildungspolitiker endlich?

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