2117: Gelungene Integration bringt Konflikte.

Der Integrationsforscher Aladin El-Mafaalani, ein Abteilungsleiter im NRW-Integrationsministerium,  legt ein interessantes Buch vor:

Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Köln (Kiepenheuer & Witsch) 2018, 240 S., 15 Euro.

Darin belegt er, dass niemand gesagt hat, „dass es einfach wird, aber Deutschland ist auf einem guten Weg zur offenen Gesellschaft“. Es geht sogar noch ein Stück weiter: „Was in 25 Jahren passiert ist, rechtfertigt es, von einem neuen Jahrtausend zu sprechen.“

Aus der Spaltung der Gesellschaft leitet El-Mafaalani ab, dass „ein zu schnelles Näherkommen“ zwischen den Einheimischen und den Migranten zu einem Zusammenprall führt, zu einem „Clash of Civilizations“. Noch in den sechziger Jahren sei die deutsche Gesellschaft zu autoritär, verschlossen, naiv und bieder und zu ordnungsverliebt und langweilig gewesen. Das sei heute überwunden. Selbst für viele CSU-Politiker gehöre der Islam zu Deutschland. Und viele Muslime würden sich darüber beschweren, dass diese Frage überhaupt gestellt werde.

Nach El-Mafaalanis Meinung sitzen heute in Deutschland Frauen, Behinderte, Nicht-Heterosexuelle, Muslime, Nicht-Weiße und Ossis an einem Tisch. Und das Kopftuch sei kein Problem gewesen, solange seine Trägerin darin Toiletten geputzt hätte. Doch als sie auf einmal hätte Anwältin oder Lehrerin werden wollen, hätte die gesellschaftliche Debatte begonnen. „Erst durch die Bedingungen gelungener Integration wurde das Kopftuch zum Problem.“ Für El-Mafaalani ist nicht die Lage selbst das Problem, sondern

die große Differenz zwischen Erwartung und Realität.

(Dunja Ramadan, SZ 3.9.18)

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.