Die SZ arbeitet nicht mehr mit ihrem langjährigen Karikaturisten Dieter Hanitzsch zusammen. Der Grund dafür ist eine Karikatur vom 15.5.18 auf S. 4 mit dem Titel „Nächstes Jahr in Jerusalem“. Darin wird nach der Auffassung vieler Benjamin Netanjahu, der israelische Ministerpräsident, antisemitisch dargestellt. Ilsetraud Ix aus Pulheim schreibt beispielsweise: “ Sie (die Karikatur) zeigt Benjamin Netanjahu in der typischen Weise antisemitischer Hetze, der mit der Kombination von Riesenohren, dicken Lippen, übergroßer Nase und starken Augenbrauen als Jude kenntlich gemacht werden soll. Dieter Hanitzsch greift auf das Klischee zurück, dessen sich die Nazipropaganda im ‚Stürmer‘ und anderswo laufend bedient hat.“ (SZ 19./20.21.5.18)
Der Chefredakteur der SZ, Kurt Kister, schreibt dazu: „Ich kenne Dieter Hanitzsch lange genug, um zu wissen, dass er weder Rassist ist noch Antisemit. Das aber ändert nichts daran, dass die Art der karikaturistischen Überzeichnung der Netanjahu-Figur physiognomische Merkmale hat, die auch heute noch in vielen Ländern dieser Erde benutzt werden, wenn ‚der‘ Jude in Karikaturen oder politisch gemeinten Plakaten symbolisiert werden soll. Stereotype können, auch wenn sie nicht in jedem Fall so gemeint sind, Rassismus unterstützen oder selbst rassistisch sein.“
„Auch ich glaube nicht, dass ‚die‘ Zeichnung antisemitisch ist. Aber sie enthält eindeutige Stereotype, die auch von Antisemiten benutzt wurden und werden. Das ist bedauerlich, und deswegen hat mein Kollege Wolfgang Krach vor Tagen für den Abdruck der Karikatur um Entschuldigung gebeten.“
„Und warum haben wir uns nun von Dieter Hanitzsch getrennt? … Das Entscheidende .. war, dass der Gang der Gespräche zu einem Vertrauensverlust führte. Wenn sich Menschen über einen Text, eine Zeichnung oder andere Dinge zerstreiten, kann man dies oft durch Debatten, manchmal durch Kompromisse und hin und wieder durch eine Trennung lösen.“ (SZ 19./20.21.518)
In der „Welt“ (19.5.18) meint Richard Herzinger, die Entschuldigung der SZ reiche nicht. Die Karikatur stehe für den Antisemitismus im „linksliberalen“ Milieu.