1918: Präsident Duda bittet um Verzeihung.

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat anlässlich der Ausstellung „Fremd im Haus“ im „Museum der polnischen Juden“ für den polnischen Antisemitismus um Verzeihung gebeten. Zwar lehnte er eine Verantwortung des heutigen Polens für die Hetze 1968, vor 50 Jahren, ab, sagte aber: „Bitte verzeihen Sie, verzeihen Sie der Republik und den Polen, dem Polen von damals dafür, dass damals so ein schändlicher Akt begangen wurde.“

Im Zuge der weltweiten Studentenbewegung von 1968 hatten insbesondere Studenten für die Freiheit demonstriert. Für die Meinunsgfreiheit, die Freiheit der Kunst usw. Am 8. März 1968 demonstrierten 2.000 Studenten der Warschauer Universität. Viele wurden verhaftet, etlichen der Prozess gemacht, viele wurden von der Universität entfernt. Die Schuld gab die polnische KP dem „Zionismus“. Eine antisemitische Hetzkampagne unter Leitung des kommunistischen Innenministers Mieczyslaw Moczar brach los.

Die Parteizeitung der KP „Trinuna Ludu“: „Der Zionismus strebt im Bündnis mit Hitlers Erben auch seine eigene Rehabilitierung an, die Rehabilitierung der Judenräte, der jüdischen Ghettopolizei, der jüdischen  Gestapobrigaden, mit deren Hilfe die zionistischen Organisationen die Juden in die Krematorien führten.“

Das Muster ist stets das gleiche: die Juden sind selber Schuld an ihrer Vernichtung.

1968 lebten gerade mal noch 30.000 Juden in Polen. Ungefähr 15.000 von ihnen verließen das Land. Sie wanderten aus nach Dänemark, Schweden, in die USA und nach Israel.

Die Deutschen hatten im Krieg bis zu drei Millionen Juden in Polen in Vernichtungslagern und Ghettos ermordet. Doch auch Polen brachten nach Schätzungen des Historikers Jan Tomasz Grosz Zehntausende Juden um. Noch nach Kriegsende wurden 1.500 Juden in Polen ermordet, sagt der Historiker Keith Lowe.

KP-Chef Gomulka sagte am 19. März 1968 in einer vom Fernsehen übertragenen Rede, dass solche, deren Loyalität Israel gelte, in Polen nichts verloren hätten. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki kritisiert heute die Ausstellung im „Museum der polnischen Juden“. Die antisemitischen Kundgebungen von 1968 seien „von der kommunistischen Macht vorbereitet“ worden. „Das war eine fremde Macht, die Vertreterin einer fremden Großmacht war.“ (Florian Hassel, SZ 9.3.18)

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