Alexander Dobrindt (geb. 1970), der Landesgruppenchef der CSU im Bundestag, war vier Jahre lang Minister für digitale Infrastruktur und Verkehr („Der Mann mit der Maut“) in Berlin. Kürzlich hatte er den Auftrag, ein Positionspapier für seine Partei zu schreiben. Darin kommt vor allem sein Hass auf die 68er zum Ausdruck. Das hat etwas Gutes, weil wir 68er dann nicht mit Dobrindt verwechselt werden können. Dieser arbeitet sich in seinem Papier bis zum Begriff der
„konservativen Revolution“
vor. Hier müssen wir wohl Dobrindt vor sich selbst in Schutz nehmen. Denn er hat offensichtlich nicht gewusst, was er da tat. Wahrscheinlich kannte er den Begriff gar nicht.
Der ist aber seit Armin Mohlers Buch „Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932“ (1950) ziemlich klar umrissen. Als er das Buch schrieb, war Mohler Privatsekretär von
Ernst Jünger.
Die locker miteinander verbundene Gruppe von Autoren, die zur „konservativen Revolution“ gezählt wird, ist auf
Oswald Spenglers
bekannte Schrift „Der Untergang des Abendlands“ (1918/1922)
zurückzuführen. Dazu zählt auch der Kreis um den Dichter
Stefan George.
Den Beitrag aus den Sozialwissenschaften zur „konservativen Revolution“ liefert
Ferdinand Tönnies
mit seinem Begriff der „Gemeinschaft“, den er der „Gesellschaft“ gegenüberstellt.
Das sind alles gut identifizierbare Personen und Inhalte. Ihr Denken ist gegen Aufklärung und gesellschaftliche Modernisierung gerichtet. Sie sind „Reaktionäre“. Weitere Personen aus dem Kreis der „konservativen Revolution“ sind
Hans Freyer, Friedrich Georg Jünger, Edgar Julius Jung (er hat die „Marburger Rede“ gehalten und ist am 30. Juni 1933 ermordet worden), Ludwig Klages, Arthur Moeller van den Bruck (von ihm stammnt der Begriff „drittes Reich“), Ernst Niekisch, Ernst von Salomon, Carl Schmitt, Othmar Spann, Wilhelm Stapel und Hans Zehrer (später Chefredakteur bei Springers „Welt“). Sie sind
antiliberal, antidemokratisch und antiegaltär.
Dazu kommt eine große Portion Antisemitismus und eine kleinere Portion nationalen Sozialismus (Ernst Niekisch). Zwar waren und wurden nicht alle von den Anhängern der „konservativen Revolution“ Nazis, aber sie sympathisierten mit ihnen, glaubten den „böhmischen Gefreiten“ im Griff zu haben. Sie waren keine Gegner der Nazis oder gar Widerstandskämpfer (von Ausnahmen wie Claus Schenck Graf Stauffenberg abgesehen, der aus dem George-Kreis stammte), sondern sie waren die Helfer der Nazis, ihre
„Steigbügelhalter“.
Nach 1945 erzählten sie das Märchen von ihrer Teilnahme am Widerstandskampf.
Das alles kann Alexander Dobrindt ja nicht gewusst haben, sonst hätte er nicht von der „Konservativen Revolution“ sprechen können.