1843: Offener Brief an Documenta-Aufsichtsrat

130 internationale Kuratoren, Museumsdirektoren und Künstler haben einen offenen Brief an den Documenta-Aufsichtsrat geschrieben. Darin beklagen sie, dass die jüngsten Maßnahmen des Aufsichtsrats das Image der Documenta erheblich beschädigt hätten. Dadurch habe das „Bild Deutschlands im Ausland“ gelitten. Es stelle sich die Frage, ob Kassel noch der richtige Standort für die Documenta sei.

Es war eine erhebliche Finanzierungslücke aufgetreten. Daraufhin wurde die Geschäftsführerin, Annette Kulenkampff, entlassen. In dem offenen Brief wird nun ihre Wiedereinstellung verlangt. „Die Lokal- und Landespolitik nimmt ein von ihr selbst lanciertes finanzielles Defizit zum Anlass, offen über die Umstrukturierung der documenta im Sinne einer reinen Kommerzialisierung und Vermarktung der Marke documenta zu debattieren.“ In dem offenen Brief wird eine Erhöhung des Etats gefordert und die Einsetzung eines Expertengremiums, das die Arbeit des vor allem mit Politikern besetzten Aufsichtsrats begleiten soll. Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Kasper König, Wolfgang Tillmans, Chris Dercon und Alexander Kluge.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sucht derzeit eine neue Geschäftsführerin und einen neuen künstlerischen Leiter. Der Brief fragt, ob er überhaupt dazu in der Lage ist, den Fortbestand der Weltkunstschau zu garantieren. „Dieselben Politiker, die sich außerstande sahen, auf die Entgleisungen der AfD zu reagieren, die ein Kunstwerk von Olu Oguibe als ‚entstellte Kunst‘  bezeichnete und damit eindeutig auf faschistische Terminologien zurückgriff“, lancierten nun Überlegungen, die „von einer Aufhebung des gemeinnützigen Status der documenta gGmbH über eine Eingliederung der Öffentlichkeitsarbeit in das Stadtmarketing bis zu einer Neuverteilung der finanziellen Risikolast“ reichten. So werde die Freiheit der Kunst „minimiert“. „Die geplanten rechtlichen Rahmenbedingungen bedeuten nichts anderes als die Ausrichtung der konzeptionellen wie künstlerischen Freiheit an rein haushälterischen Maßstäben.“ (Catrin Lorch, SZ 15.1.18)

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