Herfried Münkler hat sich in den letzten Jahren in Deutschland zum „ersten Staatsphilosophen“ entwickelt (Jens-Christian Rabe, SZ 22.6.17). Seine bisweilen lässige Eleganz war stilbildend. Der Berliner Politikwissenschaftler hat vor der Werner-von-Siemens-Stiftung in Nymphenburg über die Zukunft der Demokratie gesprochen. Und er hat kein Hehl aus seiner Meinung gemacht, dass die Demokratie noch keineswegs gegen die Autokratie (z.B. Erdogan, Trump, Orban, Kaczynski) gewonnen hat. Insbesondere als nervöse „Stimmungsdemokratie“ in Zeiten der Digitalisierung. Münkler sieht zwei zentrale Bedingungen für das Überleben der Demokratie:
- Die Politiker müssten die Politik „verkleinern“, also über direkte Abstimmungen systematisch Macht ans Volk abgeben in lokalen oder regionalen Zusammenhängen.
- Das Volk wiederum müsse angesichts der Vergrößerung der Politik etwa in Europa seine notwendige politische Inkompetenz aktiv bekämpfen, selbst wenn es Freizeit oder Verdienstausfall bedeute.