Für die Grünen wäre es am besten gewesen, wenn es nach der letzten Bundestagswahl 2013 ein schwarz-grünes Bündnis gegeben hätte. Und nicht nur wegen der machtpolitischen Optionen und der Pöstchenvergabe. Sondern weil die Politik der trotzigen Eigensinnigkeit die Partei in die Krise geführt hat und manchmal nicht mehr gut zu erkennen ist, wofür sie eigentlich steht. Und wie will sie mehr Einfluss auf die Politik bekommen?
Mit Winfried Kretschmann stellen die Grünen in Baden-Württemberg einen erfolgreichen Ministerpräsidenten, einen Mann mit Augenmaß. Er will zwar loskommen von einer besinnungslosen Autopolitik, aber nicht um jeden Preis und nicht im falschen Tempo. Er vermeidet die schweren schulpolitischen Fehler, die Grüne und SPD ansonsten begehen. Etc. Der Wähler versteht das. Winfried Kretschmann ist der beliebteste Politiker der Bundesrepublik.
Es könnte sogar sein, dass die deutsche Politik die Grünen noch einmal dringend braucht. Dann nämlich, wenn nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 unter Vermeidung einer erneuten großen Koalition (die m.E. insgesamt gute Arbeit geleistet hat) eine Regierung gebildet werden muss. Da käme nach den aktuellen Zahlen, welche die Sonntagsfrage ergeben hat, ein Bündnis zwischen
Union, Grünen und FDP in Frage.
Für Rot-Rot-Grün reicht es (zum Glück) derzeit nicht: CDU/CSU 37 %, SPD 29 %, Grüne 9 %, Linke 8 %, AfD 8 %, FDP 6 %. Und egal, wie wir die FDP generell betrachten (ich bin kein großer Fan davon), könnte ein breites bürgerliches Bündnis doch funktionieren.
Der Schulz-Hype ist vorbei (was zu erwarten war).
Für eine Regierungskoalition mit den Grünen gibt es auch inhaltlich gute Gründe. Die Grünen sind umweltpolitisch führend, während die SPD in Nordrhein-Westfalen noch an der Kohle festhält. Die Grünen sind vollkommen verlässlich hinsichtlich der Menschenrechte und Bürgerfreiheiten. Die Grünen haben zwar kein unkritisches, aber durchdachtes Verhältnis zum Westen (NATO, EU etc.). Sie haben sich hier als zuverlässig erwiesen. Im Gegensatz zu den Linken, die anti-westlich, gegen die NATO und gegen die EU sind. Dort gibt es noch zu viele Putin-Versteher und Politruks alter Provenienz, die noch in DDR-Bahnen denken. Freunde von Marine Le Pen. Etc. Wahrscheinlich könnten die Grünen in einer breiten bürgerlichen Koalition einmal zeigen, was sie können. Z.B. auch außenpolitisch und militärpolitisch. Wärmedämmung, Subventionen abgreifen und Wölfe ansiedeln reicht dann nicht mehr.