1. In unseren „postfaktischen Zeiten“ haben Verschwörungstheorien Konjunktur. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie per se empirisch nicht widerlegt werden können. Sie sind immun gegen Daten und Statistiken. Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Theorien, die wir als solche nur anerkennen, wenn sie falsifiziert werden können. Wissenschaft ist also das Gegenteil von Verschwörungstheorie.
2. Im Netz stehen Meinung, Gerücht, Verschwörungstheorie und wissenschaftliches Ergebnis ununterscheidbar nebeneinander. Der Nutzer muss selbst eintscheiden, kann es aber häufig nicht. So entsteht Haltlosigkeit.
3. Weit verbreitet sind z.B. folgende Verschwörungstheoretiker:
– Holocaust-Leugner,
– Klimawandel-Leugner,
– Evolutions-Leugner (Kreationisten),
– „Reichsbürger“,
– Anhänger der These von der „Lügenpresse“.
4. Wir können aber dann, wenn sich zwei Aussagen unversöhnlich gegenüberstehen, entscheiden, welche die plausiblere Annahme enthält, bzw. erkennen, auf welchen ggf. widersprüchlichen Annahmen die Aussagen beruhen. Nehmen wir als Beispiel den Satz:
Frauen werden benachteiligt/nicht benachteiligt.
a) Barbara Vinken, Professorin für Allgemeine und Französische Literaturwissenschaft, stellt auf die historisch-gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht ab. Sie sei durch naturwissenschaftliche „Fakten“ nicht zu widerlegen. Im übrigen werde so getan, als die Gleichheit der Geschlechter längst erreicht, was aber nicht der Fall sei.
b) Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte, erklärt die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern und etwa die „Lohnlücke“ von ca. 20 Prozent damit, dass Frauen schlechter bezahlte Berufe wählten, mehr Teilzeit arbeiteten oder dadurch benachteiligt seien, dass sie Kinder bekämen. Die Gewissheit von der allgegenwärtigen Benachteiligung von Frauen sei nur ein Glaubensgrundsatz (Eva Bucher, Die Zeit 3.11.16).
Wir sehen hier, dass die beiden Annahmen sinnvoll gar nicht miteinander verglichen werden können, sie betrachten verschiedene Gegebenheiten und beruhen auf
unterschiedlichen Ansätzen.
Und wir können für uns am besten dann eine Entscheidung treffen, wenn wir klar formulieren, nach welchem Ansatz wir vorgehen wollen. Verschwörungstheorien brauchen wir nicht.