Den ökologischen Regionalismus verstehe sogar ich: Kurze Wege, wenig Energieverbrauch, Förderung der Vielfalt etc. Tobias Moorstedt (SZ 18.10.16) arbeitet heraus, dass diese Perspektive manchmal die Grenze zum
Provinzialismus
überschreitet. Es sei eine „naive Kinderbuchvorstellung“, sich die Welt ohne internationale Arbeitsteilung auszumalen, in der die Menschen so gut wie keinen Handel treiben, sondern in kleinen Zellen und ganz autark für sich selbst sorgen. „Mode aus Paris“ und „I love New York“ gäbe es wohl bald nicht mehr. Stattdessen: „I love Bad Lamspringe“.
„Das ist ja das Deprimierende am Provinzialismus: die närrische Vorstellung, alles selbst machen zu können, der im Grunde so arrogante wie ignorante Verzicht auf die Skills, Techniken und Ansprüche von Experten.“ Warenaustausch über ferne Grenzen hat eine sehr lange Tradition. Wenn wir Glück haben, fallen mit den Handelsbeschränkungen auch ein paar
„Absperrgitter im Kopf“.
„Glaubt wirklich jemand, dass es einer Näherin in Bangladesh besser geht, wenn wir die Fabrik, in der sie arbeitet, schließen, um nur noch ökologisch, fair und nachhaltig in Prenzlauer Berg zu produzieren?“ Sogar Thilo Bode, der Autor des Buchs „Die Freihandelslüge“, sagt: „Ich bin Ökonom und erst einmal für den Freihandel. ich bin nicht gegen Globalisierung. Ich will eine andere Globalisierung.“ Die Moral-Mathematik „nah = gut“ ist zu simpel. Eine bessere Globalisierung ist ohne Kosmopolitismus nicht möglich.
„Ein kosmopolitischer Konsument kauft demnach Oliven aus Marokko und nicht von einer Burn-out-Therapie-Farm im Breisgau. … Ein kosmopolitischer Konsument will die besten Sardinen, die schnellsten Rennräder und die schönsten Krawatten, ist aber weit davon entfernt, es sich in seiner Best-of-WWWarenwelt gemütlich zu machen. Er liest das Kleingedruckte auf dem Preisschild und setzt sich für faire Produktionsbedingungen ein. Er stellt die eigenen Ansichten und Routinen auch mal infrage, bestellt Ameisen im Restaurant und fragt sich, ob ein balinesischer Sarong am Casual Friday eine mögliche Outfitentscheidung wäre. Ein kosmopolitischer Konsument setzt sich fremden Dingen und Gedanken aus, um sich weiterzuentwickeln, und er setzt sich gleichzeitig dafür ein, dass genau das auch Menschen in anderen Orten der Welt möglich ist. … Die Welt hat mehr zu bieten als das, was in die Gemüsekiste von nebenan passt.“