657: Robert J. Aumann – der Ökonom der militärischen Stärke

Unter den 17 Nobelpreisträgern, die 2014 am Treffen der Ökonomie-Elite in Lindau am Bodensee teilnahmen, war Robert J. Aumann. 2005 hatte er den Nobelpreis für Ökonomie bekommen für seine Beiträge „zum besseren Verständnis von Konflikt und Kooperation“ (Michael Bauchmüller SZ 23./24.8.14). Aumann ist Spieltheoretiker.

Die Spieltheorie ist ein ökonomischer Ansatz, mit dem ergründet werden soll, wie sich Akteure verhalten, wenn sie die Strategie des Verhandlungspartners oder Gegners nicht kennen. Das wohl berühmteste Beispiel dafür ist das „Gefangenendilemma“, bei dem zwei Gefangene – in getrennten Verhören – vor der Wahl stehen, sich gegenseitig zu verraten oder zusammenzuarbeiten, indem sie schweigen. Nur weiß keiner der beiden, ob er vom anderen belastet wird, während er selber treu den Mund hält.

Laut Robert J. Aumann gilt das auch für Kriege. „Die meisten Kriege werden durch Missverständnisse ausgelöst – wir bringen sie über uns selbst, indem wir Schwäche zeigen.“ Für Aumann ist dafür auch der Gaza-Konflikt ein Beispiel. Der Fehler habe 2005 darin bestanden, so Aumann, die Armee aus dem Gazastreifen abzuziehen. „Damals haben wir den Arabern zu verstehen gegeben, dass wir zwar das beste Equipment haben, aber nicht kämpfen wollen.“ Wer einen Krieg verhindern wolle, müsse aber genau diesen Willen zeigen. „Denn wer Schwäche zeigt, lädt zu Aggression ein.“ Staaten brauchten Waffen zur Abschreckung, um sie nicht benutzen zu müssen. Die Logik des kalten Kriegs.

Schlimmstes Beispiel einer verfehlten Politik ist für Robert J. Aumann des britischen Premierministers Neville Chamberlains „Appeasement“-Politik 1938, bei der Hitler beschwichtigt werden sollte, damit er Frieden hielte. Das Gegenteil trat ein. Erst nachdem Hitler sich sicher sein konnte, dass Großbritannien nicht kämpfen wollte, habe er seinen Angriff auf Polen 1939 gewagt. Aumann ist also ein strikter Vertreter einer Politik der Stärke.

Seine Familie musste 1938 aus Deutschland fliehen, als er acht Jahre alt war. Sie verlor ihre Textilfabrik und ihr gesamtes Vermögen. Bis heute ist es für Aumann nicht leicht, nach Deutschland zu kommen. Er erhielt in den USA seine akademische Ausbildung, ging Anfang der fünfziger Jahre nach Jerusalem, wo er 33 Jahre als Professor arbeitete.

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