3989: Heinz Bude zur „Gratismentalität“

Der Soziologe Heinz Bude wird von Benedikt Peters (SZ 17.8.22) zur von Christian Lindner (FDP) apostrophierten „Gratismentalität“ befragt. Er sagt:

„Das ist ein interessanter Begriff, der zunächst einmal auf eine bestimmte Geisteshaltung hinweist. Der klassische Liberale sagt: There is noch free lunch. Irgendwann muss alles bezahlt werden. Aber man kann die Äußerung durchaus auch problematisch finden.

Der Zeitpunkt ist in der Tat ungewöhnlich. Viele ärmere Menschen sorgen sich vor einem kalten Winter. In einer reichen Gesellschaft wie Deutschland sollte man das nicht hinnehmen, und deswegen werden nun ja auch viele Vorbereitungen getroffen. Darüber hinaus gibt es andere Entwicklungen, die gerade die Klientel der FDP empfindlich treffen, etwa die Erhöhung der Zinsen. Viele Mittelklasse-Haushalte, die per Kredit eine Wohnung gekauft haben, kann das an den Rand des Ruins führen. Ich glaube nicht, dass Niedrigzinsen und Nullinflation zurückkommen werden. Insofern kann man an Lindners Äußerung auch eine Veränderung der Zeitläufte erkennen: Die Ära der billigen Güter und des billigen Geldes, die ist, glaube ich, vorbei.“

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