2902: Eberhard Fechner (1926-1992) – Chronist deutscher Zeitgeschichte

Bei Absolut Medien ist auf DVD neu erschienen Eberhard Fechners „Der Prozess“ (1984), einer der wichtigsten und größten Dokumentarfilme in der deutschen Filmgeschichte (über den dritten Majdanek-Prozess von 1975 bis 1981 am Landgericht Düsseldorf). Er trägt ganz Fechners Handschrift. Der Grund, warum ich ihn für den größten deutschen Dokumentaristen halte, liegt vermutlich in seinen Themen und in seiner Methode (sehr verkürzte Auszüge):

– „Ein Tag. Bericht aus einem Konzentrationslager“ (1965),

– „Nachrede auf Klara Heydebreck“ (1969),

– „Klassenphoto“ (1970),

– „Tadellöser & Wolff“ (Fernsefilm) (1975),

– „Comedian Harmonists. Sechs Lebensläufe.“ (1976),

– „Der Prozess“ (1984),

– „Wolfskinder“ (1990).

Fechner war gelernter Schauspieler und trat nach dem Krieg hauptsächlich in Berlin auf. Von 1961 bis 1963 war er Regieassistent bei Giorgio Strehler in Mailand. 1965 ging er zum NDR und startete hier seine beeindruckende Karriere. Es gelang ihm, durch geduldiges Zuhören und Nachfragen auch sehr persönliche, kontroverse und tief verborgene Erinnerungen seiner Gesprächspartner hervorzulocken. Er verzichtet auf einen Kommentar. International stilbildend wurde seine dialogische Montage.

Schlagend wurde sie eingesetzt besonders in „Klassenphoto“, „Der Prozess“ und „Comedian Harmonists“. Am Beispiel von „Klassenphoto“ haben meine Kollegin Nadine Gersberg und ich das 2001 beschrieben („Eberhard Fechners Methode als filmischer Chronist der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts“, 2001, vgl. hier unter „Publikationen“).

Fechners WDR-Kollege Heiner Lichtenstein formulierte als Lehre aus dem Majdanek-Prozess, gegen den Rassismus aufzustehen. „Davon wird kein Mensch wieder lebendig. Aber wir können vielleicht verhindern, dass in der Zukunft Unschuldige ermordet werden.“ (Silvia Hallensleben, taz 16.6.20)

 

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