Der polnische Präsident Andrzej Duda hat seine Teilnahme an der Gedenkfeier zum 75. Jubiläum der Befreiung von Auschwitz in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (Israel) abgesagt. Der Grund dafür ist, dass er dort nicht sprechen darf wie
– Russlands Präsident Wladimir Putin,
– Frankreichs Präsident Emmanuel Macron,
– der britische Thronfolger Prinz Charles,
– US-Vizepräsident Mike Pence und
– Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Duda erklärte, die Abwesenheit einer polnischen Stimme beim Auschwitz-Gedenken bedeute eine „Verfälschung der Geschichte“, weil die meisten der in Auschwitz Ermordeten Polen gewesen seien. Außerdem habe er Wladimir Putin widersprechen wollen, der am 24. Dezember 2019
den Hitler-Stalin-Pakt von 1939
verharmlost und seinen antipolnischen Ressentiments freien Lauf gelassen hatte, als er behauptete, Polen habe am Beginn des Zweiten Weltkriegs „eine Verschwörung“ mit Hitler gewollt (Putin wird ja in der internationalen Öffentlichkeit weithin jeder Schwachsinn abgenommen, W.S.).
Yad Vashem erklärte: „Es ist wichtig anzumerken, dass von 1,5 Millionen Opfern des Todeslagers Auschwitz-Birkenau rund 1,1 Millionen Juden waren, die ermordet wurden, einfach weil sie Juden waren, ungeachtet ihrer Herkunftsländer.“ Es sei angemessen, zum Gedenken Vertreter der vier Alliierten sprechen zu lassen, die Europa und die Welt vom Holocaust befreit hätten. Deutschlands besonderer Verantwortung für den Hiolocaust werde man dadurch gerecht, dass ein deutscher Vertreter zu Wort komme. Insgesamt nehmen mehr als 40 Staats- und Regierungschefs am Welt-Holocaust-Forum teil.
Angeblich haben sich israelische Diplomaten bemüht, Duda einen Weg zu seiner Teilnahme zu ebnen. Polen schickt gegenwärtig Wanderausstellungen über polnische Kriegshelden und Retter polnischer Juden um die Welt. Das sehen Historiker anders, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Danach wurde die Zahl polnischer Judenretter bei weitem übertroffen von der Zahl polnischer Hilfspolizisten, Feuerwehrleute, Partisanen und Dorfbewohnern, die den Deutschen halfen, mindestens 200.000 vor dem Abtransport in die Gaskammern in Dörfer und Wälder geflohene Juden zu ermorden. Diesen Erkenntnissen zufolge war es nicht selten, dass Polen ihre jüdischen Nachbarn selbst ermordeten (Alexandra Föderl-Schmid, Florian Hassel, SZ 9.1.20).