Der antisemitische Mörder von Halle ist auch Antifeminist. Das verbindet ihn mit dem norwegischen Massenmöder Anders Breivik, der 2011 in Oslo 77 Menschen tötete. Das gemeinsame Narrativ besteht darin zu behaupten, dass der Feminismus für die sinkenden Geburtenraten im Westen und die daraus erwachsende Masseneinwanderung verantwortlich sei.
Schon 1902 hatte Hedwig Dohm eine Aufsatzsammlung mit dem Titel „Die Antifeministen“ veröffentlicht. Darin ging sie den wachsenden Ansprüchen des Feminismus und dem Kampf dagegen nach. 1912 wurde der „Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“ gegründet. Die Sozialwissenschaftlerin Herrad Schenk fasst unter Antifeminismus alle Einstellungen und Verhaltensweisen zusammen, die sich gegen die Frauenbewegung und deren Errungenschaften richten und somit eine anti-emanzipatorische Ideologie sind. Besonders anfällig dafür sind Männer, denen es nicht gelingt, mit Frauen zusammenzuleben. Vielfach Gestörte. Sie fühlen sich gekränkt. Und im Zeitalter der „sozialen Medien“ werden einige von ihnen zu Mördern (Julian Dörr, SZ 13.11.19).