Hajo Seppelt leitet seit 2007 die Doping-Redaktion der ARD. Das war in der Zeit, als der ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf zurücktrat und der Sportreporter Tom Bartels zur ARD zurückkam. Schon vorher war Seppelt ein gefürchteter Mann, der sich darauf spezialisiert hatte, systematisch Doping-Betrug im internationalen Spitzensport aufzudecken. Schon 2006 wurde er für seine Recherchen über die Radsportler Jan Ulrich und Floyd Landis ausgezeichnet. Inzwischen hat er für seine Verdienste sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommen. Am 23. Oktober 2008 war er bei uns im Institut, referierte im Literarischen Zentrum Göttingen und diskutierte mit über 50 Studierenden über Sportberichterstattung im Fernsehen.
„Er ist eine Mischung aus Staatsanwalt, Großinquisitor, Beichtvater. Einer, der dahin geht, wo es wehtut, wo es auch ihm oft wehtut. ‚Ich will den Leuten die andere Seite der Medaillen zeigen.'“ (Cathrin Gilbert, Die Zeit 2.10.19) Seppelt verdirbt vielen Leuten das Geschäft, er hat inzwischen viele Feinde. Und, keine Frage, auch sein Arbeitgeber, das öffentlich-rechtliche Fernsehen, profitiert davon, wenn die Show im Spitzensport weitergeht. Besonders viel recherchieren musste Seppelt in Russland, weil dort mehr als anderswo gedopt wird. Inzwischen braucht er ständig einen Bodyguard. In Potsdam-Babelsberg hat Seppelt inzwischen ein eigenes Studio, wo er mit einer jungen Mannschaft seine Dokumentationen selbst produziert. Kürzlich hat Seppelt über intersexuelle Sportler berichtet, von denen einige lebenslänglich gebrochen sind, weil ihnen operativ die Hoden entfernt wurden, damit sie als Frauen starten konnten. Dazu ist es dann nicht mehr gekommen.
Natürlich ist Hajo Seppelt durch seine Arbeit desillusioniert worden. „Ich habe manche Illusion komplett verloren, irgendwann glaubst du fast gar nichts mehr.“ „Ich glaube, Doping ist eine Win-win-Situation für den Sport – solange nicht darüber geredet wird.“ Und was passiert, wenn Doping durch Journalisten wie Seppelt aufgedeckt wird? „Der Athlet verliert seine Kohle, der Manager verliert seine Kohle, der Sponsor verkauft seine Produkte nicht mehr. Der Verband verliert seine Sponsorengelder. Der Physiotherapeut kann nicht mehr so schön verreisen.“
Hajo Seppelt kann kaum noch undercover recherchieren, weil er auf der ganzen Welt zu bekannt geworden ist.