2575: Kritik an Handke: „Apologet des Genozids“

Nach der Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke ist dieser, wie nicht anders zu erwarten, politisch scharf kritisiert worden. Hauptsächlich in britischen Medien („Daily Telegraph“, „The Guardian“, „Times“). Im Tenor wird er wegen seiner Parteinahme für Serbien und Milosevic gesehen als „Apologet des Genozids“. Das ist nicht falsch. Salman Rushdie, der gerade den „Welt“-Literaturpreis bekommen hat, hatte PeterHandke 1999  für den Titel „Idiot des Jahres“ nominiert.

Die Präsidentin des PEN America, Jennifer Egan, schreibt: „Wir lehnen die Entscheidung ab, dass ein Schriftsteller, der hartnäckig gut dokumentierte Kriegsverbrechen in Frage gestellt hat, es verdient hat, für seinen sprachlichen Einfallsreichtum gefeiert zu werden. Zu einem Zeitpunkt, in dem Nationalismus, autokratischer Führungsstil und weitverbreitete Desinformation im Aufschwung sind, hat das literarische Leben Besseres verdient.“

Der deutsche Schriftsteller Sasha Stanisic, der als Kind mit seinen Eltern den Massakern von Visegrad entkommen ist, schreibt, der Nobelpreis an Handke sei ein „weiteres Signal – Geschichte ist uns egal. Sollen andere Generationen verarbeiten. Wir belohnen Adjektive.“ (G.T., FAZ 12.10.19; Marie Schmidt/Thomas Urban, SZ 12./13.10.19)

Die Kritik ist legitim. Würden wir uns auf den Standpunkt stellen, Politik dürfe bei literarischen Preisverleihungen keine Rolle spielen, wären wir auf dem Stand von unpolitischen Glasperlenspielen stehen geblieben.

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