Der deutsche Schriftsteller Günter Kunert ist gestorben. 1929 in Berlin geboren schrieb er vor allem Gedichte. Aber auch zwei Romane, Reisebeschreibungen, Essays, Filmdrehbücher und Hörspiele. Die Nazis diffamierten ihn als „Halbjude“ (seine Mutter war Jüdin). Vom Sozialismus der DDR wurde Kunert alsbald enttäuscht (und bespitzelt). 1976 gehörte er zu den Unterzeichnern des Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. 1979 ließ die DDR den unbequemen Dichter in den Westen ausreisen. Er lebte fortan in Kaisbostel (Schlewig-Holstein). 2019 erschien Kunerts DDR-kritischer Roman „Die zweite Frau“. Vor 45 Jahren hatte er das Manuskript versteckt und dann vergessen. Schließlich fand er es im Keller wieder.
Bereits zu Lebzeiten hat Kunert für sich ein Grab auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee gekauft (dpa, SZ 23.9.19).