2507: Heimat

Als unter Horst Seehofer (CSU) das Bundesinnenministerium auch noch Heimatministerium wurde, war ich empört. War nicht ich Heimat? Da, wo ich war, da war doch Heimat. Dafür brauchten wir doch kein Ministerium. Aber ganz so einfach ist es wohl nicht. Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, eine Professorin für Sozialwissenschaften, schreibt in der SZ (16.8.19) über Heimat. Sie will darüber demnächst ein Buch mit Jan Wetzel publizieren. Ich übernehme ihre Ausführungen und formuliere sie in meine Sprache um:

Heimat ist entstanden als Gegenkonzept zur Entfremdung in der Großstadt. Dann haben die Nazis den Heimatbegriff propagandistisch missbraucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Heimat zunehmend beschränkt auf Fachwerkhäuser, Bräuche und Trachten. Es schloss sich der massenmediale Konsum an: Heimatfilme, Heimatromane, Heimatlieder, Heimattourismus. Aus der Bundeszentrale für Heimatdienst wurde 1963 die Bundeszentrale für politische Bildung. Der Heimatbegriff geriet in Vergessenheit.

Heute wird der Begriff wieder benutzt. Er steht für Einhegung der Vielfalt in der Gesellschaft. Für gleiche Lebensverhältnisse in Stadt und Land, ländliche Entwicklung. Heimat soll den Abstand zwischen den Menschen überbrücken, Identität stiften. Sie hat auch eine ökonomische Dimension. Sie soll ein Ort der Geborgenheit sein. Es geht auch um unsere gemeinsame Sprache und das Land, in dem wir leben. Heimat ist kulturell fundiert, sie ist „etwas von früher“. Das Bildungsbürgertum benutzt den Heimtbegriff nicht so häufig. Bildungsärmere aber halten daran fest. Von ihen haben viele ein nationalstaatlich-territoriales Verständnis davon. Besonders in Ostdeutschland. Aber dort haben die Menschen tatsächlich mit der DDR eine Heimat verloren. Heimat hatte sich für sie noch nicht aufgelöst in Globalisierung und Freihandel. Vielleicht spielt der Wohlstand bei einem neuen Heimatbegriff eine wichtige Rolle. Dann ist Heimat da, wo der Sozialstaat sich um ausgeglichene Lebensverhältnisse und Chancengleichheit bemüht.

 

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.