In den Wochenend-Ausgaben denken Robin Alexander (Welt 10.8.19), Detlef Esslinger (SZ 10./11.8.19) und Heribert Prantl (SZ 10./11.8.19) über Grün-Rot-Rot in Berlin nach. Dabei erweist sich
Robin Alexander
wieder einmal als der klarste und schlüssigste Analytiker:
1. „Die jetzt von der SPD begonnene Debatte über Rot-Rot-Grün braucht niemand. Am wenigsten die SPD. Die älteste deutsche Partei steckt in einer historischen Krise. Ohne Führung, Richtung und Identität taumelt sie katastrophalen Wahlniederlagen in Ostdeutschland entgegen. Dort ist Rot-Rot-Grün – neuerdings zum moderner klingenden R2G umgetauft – vor allem eine
Machtposition für die Linkspartei.
Deshalb wird die Debatte ihr nutzen und der SPD weiter schaden.“ (Alexander)
2. „Wenn das Bündnis links der Mitte eine Machtoption für Sozialdemokraten oder Grüne ist, werden beide Parteien es wie jüngst in Bremen auch sonst überall in Westdeutschland eingehen.“ (Alexander)
3. Im Osten besteht die Linke überwiegend aus pragmatischen Kommunalpolitikern.
4. Bei der Linken wird teilweise die DDR immer noch verklärt.
5. Im Osten flirtet die CDU für eine Machtoption recht schamlos mit der Linken.
6. Bei der Europawahl erzielte die CDU das schlechteste Wahlergebnis, das sie je bei einer bundesweiten Wahl erhalten hat.
7. Die Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen werden einen Sturm auslösen, zumal dann, wenn diese Wahlen dort die AfD zur stärksten Partei machen (Prantl).
8. „Ihr (der Grünen, W.S.) Boom beruht ja darauf, dass sie beim Menschheitsthema Klimaschutz Vertrauen erhalten – und dass sie es keinesfalls als Lagerthema führen. Würden sie den Anschein erwecken, das Klima sei nur ihr Vehikel, um eine linke Republik zu etablieren: Sie würden schneller abstürzen, als sie emporgekommen sind.“ (Esslinger)
9. Es passt ohnehin nicht zusammen: In der Außenpolitik denkt der Grünen-Vorsitzende über einen Militäreinsatz am Golf nach, während eine Vizechefin der Linken zu Maduro nach Venezuela reist (Esslinger).
10. „Panik ist nämlich das Letzte, was das Land brauchen kann. Es herrscht jetzt die Ruhe vor dem Sturm. Es braucht Ruhe auch nach dem Sturm.“ (Prantl)