Der israelische Historiker Danny Orbach von der Hebräischen Universität Jerusalem kritisiert die These des Stauffenberg-Biografen Thomas Karlauf, der 20. Juli 1944 sei nur ein begrenzter Militärputsch gewesen.
„Erstens war der Staatsstreich nicht das Ziel, sondern lediglich ein militärisches Mittel, um weitreichendere Absichten zu verfolgen. Selbst ein kurzer Blick auf die ‚Regierungserklärung‘ der Verschwöerer und in ihre Verhörprotokolle genügt, um zu sehen, dass ihr Programm die Errichtung einer neuen politischen Ordnung auf der Basis von Rechtstaatlichkeit und Grundrechten umfasste. Darüberhinaus zeigt eine neue Studie von Linda Keyserlingk-Rehbein, wie groß und verschachtelt die Netzwerke der Verschwörer waren, weit über die Grenzen des Komplotts hinaus. In ihrem Mittelpunkt stand Stauffenberg, der auch mit dem sozialdemokratischen Widerstand enge Verbindungen pflegte.“
Die Verschwörer hätten die Massenmorde gegeißelt und den Bezirkskommandanten befohlen, die Konzentrationslager zu befreien. „Einige von ihnen, so etwa Hans von Dohnanyi, Hans Oster und Wilhelm Canaris, riskierten in wagemutigen Versuchen, Juden zu retten, sogar ihr Leben.“
„Von Generalmajor Henning von Tresckow (in einer nach ihm benannten Kaserne habe ich von 1966 bis 1968 knapp eineinhalb Jahre als Panzerzugführer gedient, W.S.), Stauffenbergs engem Verbündeten, stammen die bekannten Worte: ‚Das Attentat muss erfolgen, coute que coute. Sollte es nicht gelingen, so muß trotzdem in Berlin gehandelt werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, daß die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig.'“
(Die Zeit 25.7.19)
Was treibt Thomas Karlauf nur an?