Manchen ist es unverständlich, dass Gottfried Benn mit so vielen Frauen zusammen sein konnte. Aber es war der Fall. Einen neuen Beleg dafür liefert
Uwe Lehmann-Brauns: Benns letzte Liebe. Berlin 2019, 111 S., 24 Euro.
Der langjährige kulturpolitische Sprecher im Berliner Senat, Lehmann-Brauns, hatte seiner Bekannten Gerda Pfau, einer Journalistin beim „Tagesspiegel“, versprochen, Benns Briefe an sie erst nach ihrem Tod herauszugeben. Kennengelernt hatte Benn sie nach seiner Trennung von Ursula Ziebarth 1955. Gestorben ist er bereits 1956.
In dem Band gibt es 30 Dokumente Benns. Gerda Pfau achtete auf äußerste Diskretion. Aber Benn begleitete sie manchmal ins Kino, wenn sie ihre Filmkritiken schreiben musste. Helmut Böttiger meint, dass derjenige sicher fündig wird, der nach Einflüssen Benns in den Rezensionen Gerda Pfaus sucht. Gottfried Benn hatte eine artistische Lust am Trivialen (Helmut Böttiger, SZ 17.6.19). Und abgesehen davon, dass er sich bei den Nazis politisch vollkommen vergaloppiert hatte (kein leichtes Vergehen), bleibt er unser größter Lyriker neben Bertolt Brecht.