2311: Arnulf Baring gestorben

Er mischte sich ein und hat noch in mancher Fernseh-Talkshow für Aufregung gesorgt, weil er das untrügliche Gespür dafür hatte, womit man Aufmerksamkeit erregt: Arnulf Baring, geb. 1932. 1945 begriff er für Deutschland als Chance. Er hatte den Luftangriff auf Dresden und den Einmarsch der Roten Armee in Berlin erlebt. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft und hatte seine Anfänge im Journalismus (unter der Ägide von Walter Dirks). Nach einer rechtswissenschaftlichen Promotion entfaltete sich seine Karriere an der Freien Universität Berlin bei den Historikern.

Er beschrieb die Ära Adenauer, war aber ein Fan von Willy Brandt. Der mit Manfred Görtemaker verfasste „Machtwechsel“ kennzeichnete das Ende der Ära Brandt/Scheel. Baring entfernte sich immer mehr von der SPD und verließ sie. Wissenschaftliche Theorien und Methoden interessierten ihn nur begrenzt. Der gelernte Journalist hatte ein Auge für Menschen, repräsentative Details und bezeichnende Anekdoten. Seine Mitarbeiter und Studenten animierte er zum intellektuellen Austausch. Manchmal hat er sich unbeliebt gemacht. Nach dem Mauerfall prangerte er die Folgewirkungen von vierzig Jahren SED-Diktatur an. Das nahmen ihm viele als Missachtung von DDR-Biografien übel. Mit ihm war nicht gut Kirschen essen. Schließlich verteidigte er sogar Thilo Sarrazin (Dominik Geppert, SZ 4.3.19).

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