2303: Odenwaldschule: Viel mehr Opfer

An der 2015 endgültig geschlossenen reformpädagogischen Projektschule „Odenwaldschule“ hat es weit mehr Opfer sexuellen Missbrauchs gegeben, als 2010 bekannt war, als der Skandal aufgedeckt wurde. Seinerzeit war die Rede von 132 Opfern. Nach der Publikation zweier neuer Studien über die Odenwaldschule, einer aus München, einer aus Rostock, beziffert Adrian Koerfer, der Gründungsvorsitzende des Vereins „Glasbrechen“, die Opferzahl nunmehr auf

500 bis 900.

Die Schule nennt er ein „Verbrechernetzwerk“ und ein „potemkinsches reformpädagogisches Dorf“.

Zwei der Hauptäter leben noch. Ohne Einsicht oder Reue. Die Taten sind verjährt. Florian Straus, ein Mitautor der Münchener Studie: „Die Odenwaldschule war kein Ort der Reformpädagogik, sondern ein Ort der Verwahrlosung und des sexuellen Missbrauchs.“ Jens Brachmann, der Autor der Rostocker Studie: „Die Täter wussten voneinander, sie erkannten sich, und sie deckten sich auch gegenseitig.“ Begünstigt wurde der Missbrauch durch die „Familien“. Darin gerieten die Jugendlichen an alkoholabhängige, emotional bedürftige und sexuell übergriffige Erwachsene, deren Handeln „keinerlei Korrektiv“ unterworfen gewesen sei. Einige der Opfer seien an den Taten zugrunde gegangen (Julian Staib, FAZ 23.2.19).

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