2299: Entsetzen über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche

Nicht wenige von uns hat das helle Entsetzen gepackt angesichts des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Über sein hohes Ausmaß. Vor allem aber darüber, dass es anscheinend eine Struktur in der Kirche gibt, die den sexuellen Missbrauch nicht nur begünstigt, sondern auch auf Dauer gestellt und das Vertuschen (Versetzungen usw.) vorgesehen hat. Unter Papst Franziskus bemüht sich die Kirche nun erstmals ernsthaft darum, den Makel zu beseitigen.

Viele von uns scheuen sich, das Thema zu besprechen. Weil wir wissen, in welch starkem Maße die Kirche West- und Mittelosteuropa geprägt hat. Bis hin zu sozialpolitischem Fortschritt im Zeichen der katholischen Soziallehre (etwa Oswald von Nell-Breuning, 1890-1991). Es tröstet gar nicht, dass es auch bei anderen Religionen und bei den Indigenen nicht besser aussieht. Das ist nicht unser Thema.

Grund für die vollkommen verfahrene Situation ist anscheinend eine völlig verlogene Sexualmoral. Sie wird von den Katholikinnen und Katholiken, die ich kenne, weder geteilt noch praktiziert. Der Zwangs-Zölibat gehört abgeschafft. Die Sehnsucht nach körperlicher Liebe muss auch für Priester zulässig sein.

Der französische Journalist Frédéric Martel beschreibt in seinem Buch „Sodoma“ den Vatikan als eine klandestine homosexuelle Kultur, die sich nach außen homophob artikuliert.

Matthias Drobinski fordert (SZ 23./24.2.19): „Der Papst sollte klar regeln, wie er von Missbrauch Betroffenen helfen will, und verkünden, dass ein Täter kein Priester mehr sein kann. Das wären Schritte hin zu einem neuen Kirchenverständnis.“

(Bernd Deiniger, Die Zeit 7.2.19; Oliver Meiler, SZ 22.2.19; Ronen Steinke, SZ 22.2.19; Matthias Drobinski, SZ 22.2.19; Sascha Lehnartz, Die Welt 23.2.19; Mattias Rüb, FAZ 23.2.19; Matthias Rüb, FAS 24.2.19)

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.