2288: Rhetorik der Macht

Möglichgerweise sind durch die Evolution einige Verhaltensmuster und Wahrnehmungsweisen auf uns gekommen, die wir heute gerne wieder loswerden würden. Das ist wohl nicht so einfach. Viola Schenz (SZ 2./3.2.19) führt das vor.

1. In drei Vierteln aller Hollywood-Filme sprechen Männer weit mehr als Frauen, in 15 Prozent aller Filme sogar 90 Prozent der Sätze.

2. Womöglich bildet Hollywood nur ab, was ohnehin geschieht.

3. Je größer eine Gruppe, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Männer das Wort ergreifen.

4. Verbreitet ist die Wahrnehmung, dass es angebracht ist, Männer zu Wort kommen zu lassen.

5. Wer viel redet, mit dem assoziieren andere einen hohen Status.

6. Frauen sprechen meistens leiser und fassen sich kürzer.

7. Männer fallen Frauen viel häufiger ins Wort als umgekehrt.

8. Machen sich Frauen durch viel Reden „männliches“ Verhalten zu eigen, werden sie als aggressiv empfunden.

9. Conclusio: Verhalten sich Frauen weiblich, haben sie verloren, verhalten sie sich „männlich“, ebenso.

10. In der Wahrnehmung von Frauen spielen Aussehen, Kleidung, Gestik, Mimik eine größere Rolle als bei Männern. Frauen werden kritischer beäugt, gerade von anderen Frauen.

11. Männliche Stimmen klingen tiefer, sonorer. Das wird weithin als angenehmer empfunden.

12. „Was tun? Einfach loslegen. Frauen, ergreift das Wort, nehmt euch die Redezeit, die euch zusteht, seid verbal präsent, gebt Laut! Worte bedeuten Wahrnehmung, Schweigen heißt Ignoranz. Es geht darum, ein überkommenes Rollenbild zu überwinden. Auch Frauen, die rauchen, Rad fahren, Hosen tragen oder Fernsehnachrichten moderieren, galten lange Zeit als Tabu. Offensichtlich muss sich eine Gesellschaft erst daran gewöhnen, dass Frauen so viel sagen dürfen, können, sollen wie Männer. Das kann nur gelingen mit: mehr sagen.“

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