2271: George Soros greift China an.

Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos hat der Multimilliardär George Soros, der sich mit seiner Stiftung „Open Society Fund“ der „offenen Gesellschaft“ verschrieben hat, China scharf angegriffen. Die Welt müsse vor einer beispiellosen Gefahr gewarnt werden. Chinas Staatschef Xi Jinping sei „der gefährlichste Gegner all jener, die an das Konzept einer offenen Gesellschaft“ glauben. Der chinesische Überwachungsstaat werde „das Schicksal des Individuums auf beispiellose Weise den Interessen des Einparteienstaats unterordnen“. Dabei sei China bei weitem „nicht das einzige autoritäre Regime der Welt“.

Wir können und sollten uns George Soros anschließen.

Mit seinem Vermögen unterstützt Soros etwa „Transparency International“, „Human Rights Watch“ und das „Internationale Konsortium investigativer Journalismus“. Dadurch zieht er den Hass von Rechtspopulisten auf sich. Kürzlich wurde vor seinem Haus in New York erst von der Polizei eine Rohrbombe entschärft. Bei den USA pocht Soros auf die Unterscheidung zwischen dem Staat und dem Präsidenten Donald Trump. Aus Ungarn wurde Soros‘ Stiftung von Victor Orban vertrieben.

In seiner Heimatstadt Budapest hat Soros am 19. März 1944 die Besetzung durch die Deutschen erlebt. An dem Haus, in dem er leben musste, prangte ein riesiger gelber Stern. Als die Kommunisten 1947 die Macht in Ungarn an sich rissen, floh George Soros nach London. Er studierte an der London School of Economics. Danach verdiente er ein Riesenvermögen als Wertpapierhändler mit Börsenspekulationen in New York und London. Er ist der klassische Vertreter des Großkapitals. Und er tut sehr viel Gutes. Zu seiner Klientel zählen Roma, Lesben, Schwule, Flüchtlinge. Soros steht auf der richtigen Seite. Hauptsächlich ist seine Stiftung in Ostmitteleuropa und Osteuropa tätig (Ungarn, Polen, Tschechien). Dort unterstützt er Dissidentengruppen. Das dient den dortigen Zivilgesellschaften.

Einer von Soros‘ akademischen Lehrern war der Philosoph Karl Raimund Popper (1902-1994), der 1946 gerade sein bis heute wegweisendes Buch

„Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“

geschrieben hatte. Popper, wie Soros ein Holocaust-Überlebender, wird von Faschisten, Kommunisten und Rechtspopulisten gehasst. Er hatte in Neuseeland den Zweiten Weltkrieg überstanden. Popper hat mit dem Totalitarismus und geschlossenen Weltbildern abgerechnet. Er gemahnt an die „Pflicht zur dauernden Selbstkritik, zu dauerndem Lernen, zu dauernden kleinen Verbesserungen unserer Urteile, unserer Theorien“. Sein Prinzip: „Trial and Error“.

(Thomas Zick, SZ 26./27.1.19; Holger Zschäpitz, Die Welt 26.1.19)

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.