Die US-amerikanische Fernsehserie „Holocaust“ (von Marvin J. Chomsky, vier Folgen von NBC) wurde vor vierzig Jahren, 1979, in allen dritten Programmen der ARD gezeigt. Mit einem Riesenerfolg. Tatsächlich befreite die Serie – trotz ästhetischer Bedenken fortgeschrittener Kritiker – die Bundesrepublik von einer kollektiven Amnesie. Seinerzeit wurde der Begriff
Holocaust
erst durchgesetzt. Schauspielerinnen wie Meryl Streep starteten mit der Serie ihre Weltkarriere. Nun zeigen die dritten Programme der ARD „Holocaust“ wieder (ab dem 7.1.2019). Mit einer Dokumentation zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Serie.
In Deutschland war es Günter Rohrbach, der die Serie gegen enormen Widerstand durchsetzte. Ihm gelang der Kompromiss, „Holocaust“ nicht im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) laufen zu lassen, sondern gleichzeitig in deren dritten Programmen. Zum Nachteil vieler Zuschauer in der DDR, die zwar das erste Programm der ARD, nicht aber die dritten Programme empfangen konnten. „Holocaust“ erreichte im Durchschnitt einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent. Beim WDR (als verantwortlicher Anstalt) riefen nach der ersten Folge mehr als 4.400 Zuschauer an. Sie wollten wissen, wie man den Enkeln erklären könne, dass die Großeltern nichts gegen die Vernichtung der Juden unternommen hatten. Eine Minderheit beklagte „Nestbeschmutzung“ (Tobias Schrörs, FAZ 5.1.19).
Ich habe über „Holocaust“ 1979 ein Seminar gehalten. Am Ende habe ich den Studierenden Paul Celans „Todesfuge“ verteilt und vorgelesen und sie entscheiden lassen, was ihrer Meinung nach wirksamer war gegen Rassismus und Massenmord. Die Fernseh-Serie oder das Gedicht.