2166: Demoskopen – Stimmungsmacher ?

Unbeliebt sind die Demoskopen, die uns die Wahlumfragen und Sonntagsfragen präsentieren, bei den Parteien, denen sie keine guten Zahlen liefern. Von daher kommen Zweifel an der Demoskopie auf. Das macht gleich klar, dass es bei unserem Thema nicht nur um Objektivität und Falschmeldungen geht, sondern dass Interessen die Wahrnehmung der Demoskopie beeinflussen. Wie bei anderen Themen auch.

Ein paar Gegebenheiten gibt es tatsächlich, welche die Arbeit der Demoskopen erschweren:

1. hat die Bindung an Parteien nachgelassen.

2. ist die Zahl der Unentschlossenen und der bekennenden Nicht-Wähler gestiegen.

3. wirken demoskopische Zahlen durchaus auf die Stimmung der Wähler ein. So rechnen Demoskopen mit dem „Band-Waggon-Effect“, der Tatsache, dass Wähler dazu neigen, sich der vermeintlichen Mehrheit anzuschließen.

4. treffen immer mehr Wähler ihre Entscheidung erst in letzter Minute („Last-Minute-Swing“), so dass Einflussnahmen bis kurz vor der Wahl aussichtsreicher erscheinen.

5. können Wähler durch demoskopische Zahlen sowohl motiviert („jetzt erst recht“) als auch demotiviert („Wir haben schon gewonnen“) werden.

6. sind verschiedene Wählergruppen bei Telefonumfragen unterschiedlich erreichbar, ältere Menschen beispielsweise besser als jüngere, so dass die Demoskopen sich zu „Gewichtungen“ veranlasst sehen. Alte werden runtergewichtet, Junge hochgewichtet. Die Formel dafür verraten die demoskopischen Institute nicht.

7. die wichtigste Einstellung bei der Bewertung von demoskopischen Zahlen ist die Erkenntnis, dass es sich bei ihnen nicht um Prognosen, sondern um Momentaufnahmen handelt.

Im europäischen Ausland stärker als in Deutschland hatten es sich demoskopische Institute zur Gewohnheit gemacht, in den letzten vierzehn Tagen vor der Wahl keine Zahlen mehr zu veröffentlichen. Bei der ARD und infratest dimap ist das heute noch so. Beim ZDF und der Forschungsgruppe Wahlen seit 2013 nicht mehr. Begründung: Wähler entscheiden sich immer später. Sie sollten das nicht auf der Grundlage veralteter Umfragewerte tun.

Bei einem nüchternen Blick auf die von der Demoskopie gelieferten Zahlen stellen wir fest, dass sie bei fast allen Wahlen in der Bundesrepublik seit 1949 innerhalb einer Fehlertoleranz von zwei bis drei Prozentpunkten gelegen haben.

 

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