Gegen die Freigabe von Cannabis in Deutschland spricht sich in der „Welt“ (20.10.18) Dorothea Siems aus. Sie schreibt:
„Mit der Freigabe von Cannabis bescheinigt die Gesellschaft der Droge eine Unbedenklichkeit, die sie keineswegs hat. … Suchtmediziner weisen darauf hin, dass der Stoff heute um ein Vielfaches wirksamer ist, als dies zu den Hippie-Zeiten der Fall war, und deshalb von einer ‚leichten‘ Droge gar keine Rede sein kann. Schizophrenie, Depressionen und Angstpsychosen sind oft Spätfolgen des Drogenkonsums. Von der Gefahr, dass der gelegentliche Rausch zur Sucht wird, von der man nicht mehr lassen kann, ganz zu schweigen. Cannabis ist laut Bericht der Vereinten Nationen zudem die mit Abstand wichtigste Einstiegsdroge. Eine Legalisierung macht nicht nur den Kauf des Stoffs kommod, sondern drückt auch den Preis. Damit steigt nach den Regeln der Ökonomie der Konsumanreiz stark an. Und viele Personen, die zuvor nie auf die Idee gekommen wären, werden zu Neukunden.
… Die Diskussion, ob Cannabis oder Alkohol schlimmere soziale Schäden verursachen, ist müßig. Klar sollte aber sein, dass wir unser gesamtgesellschaftliches Suchtproblem vergrößern, wenn wir in Zukunft bei beiden Drogen gleichermaßen konsumfreudig sind. Der Staat mag von den damit verbundenen Steuereinnahmen profitieren. Doch für den Bürger ist die Rechnung eine andere: Hier schlagen die langfristigen Kosten des millionenfachen Missbrauchs extrem negativ zu Buche. … In Wirklichkeit geht es vielen Cannabis-Kämpfern wohl weniger um die Freiheit als um die späte Genugtuung, diesen jahrzehntelangen Kampf gegen die staatliche Autorität kurz vor der Rente doch noch zu gewinnen.“