Eigentlich wissen wir es schon seit langem, dass die Gene über die geistige Leistungsfähigkeit entscheiden, aber es ist weithin immer noch nicht politisch korrekt, dies auszusprechen. Ich erinnere mich an eine Publikation des US-amerikanischen Erziehungspsychologen Arthur R. Jensen aus dem Jahr 1969, in der er – gestützt auf ausführliches Zahlenmaterial – die These vertrat, Intelligenz sei zu 80 Prozent erbbedingt (vgl. W.S. in Rasteder Brief 31, 1974, S. 6-12). Das löste seinerzeit einen Sturm der Entrüstung aus. In Deutschland war es lange Jahre so, dass in den Sozialwissenschaften die Erblichkeit von Begabung nicht angenommen werden durfte, weil die Nazis die Erbforschung missbraucht hatten. Damit dürfte es nun allmählich vorbei sein.
Zwei neue Publikationen liefern signifikante Belege für die These von der Erbbedingtheit der Intelligenz:
Kevin J. Mitchell: Innate. How the Wiring of Dur Brain Shapes Who We Are. Princeton University Press. 2018 und
Robert Plomin: Blueprint. How DNA Makes Us Who We Are. 2018.
„Die Genetik erklärt mehr von unseren psychologischen Unterschieden als alles andere zusammengenommen.“ (Robert Plomin) Für viele Eigenschaften sind zu 40 bis 60 Prozent die Gene verantwortlich. Das Milieu (Familie etc.) macht etwa zehn Prozent aus. In den letzten Jahren haben sich Studien angehäuft, welche beispielsweise die Schicksale von Adoptivkindern verfolgen, die nicht von ihren leiblichen Eltern erzogen werden. Seit langem liefert die Zwillingsforschung klare Ergebnisse: Geschwister, die in unterschiedlichen Familien aufgewachsen sind, unterscheiden sich als Erwachsene nicht stärker voneinander als Geschwister, die zusammen aufgewachsen sind.
Robert Plomin weist darauf hin, dass manchmal die Gene schon daran schuld sind, welche Umgebung die Kinder erleben. Wenn jemand in seiner Jugend viel Zeit im Sportverein verbringt, wird er wahrscheinlich ein besserer Sportler. Gut möglich aber, dass er dem Sportverein nur beitritt, weil er sportlicher veranlagt ist als andere Menschen. Intelligenz ist im Leben entscheidend. Intelligente Menschen sind im Durchschnitt glücklicher, leben länger und verdienen mehr.
Keiner der genannten Autoren liefert eine Rechtfertigung für Rassismus. Zwar gibt es Intelligenzunterschiede zwischen Staaten, doch die haben mit den Lebensbedingungen zu tun, nicht mit dem Erbgut. Beispiel Irland: Als das Land arm war, erreichten seine Bewohner in Intelligenztests nur etwa 85 Prozent der Punkte, die Briten erreichten. Das lag an den unterschiedlichen Lebensumständen. Heute, wo Irland reicher geworden ist, liegen beide Staaten gleichauf.
Die Intelligenzforschung hat gezeigt, dass Kinder hochintelligenter Eltern bei der Intelligenz meist näher am Durchschnitt sind als Mutter und Vater. Die Gehirne von Frauen und Männern unterscheiden sich relativ stark voneinander. Anhand der Größe unterschiedlicher Gehirnregionen kann man relativ sicher feststellen, ob ein Gehirn von einer Frau oder einem Mann stammt (Patrick Bernau, FAS 14.10.18).