2141: Fischer: Brexit gefährdet die politische Ordnung Europas.

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) warnt vor dem Brexit am 29. März 2019 ohne Austrittsvertrag. Sollte es dazu kommen, gibt es chaotische Konsequenzen für den beidseitigen Handel und das Grenzregime. Mehr als um die Wirtschaft, die niemand von uns in ihrer Bedeutung verkennen wird, geht es dabei um die politische Ordnung Europas im 21. Jahrhundert. Mit dem Brexit sucht das Vereinigte Königreich die Wiedergewinnung seiner vollen Souveränität in der Vergangenheit. Heute ist Großbritannien eine europäische Mittelmacht und wird auch, ob mit oder ohne EU-Mitgliedschaft, keine Weltmacht mehr werden. Folgten andere europäische Staaten dem Vorbild des Vereinigten Königreichs, so würde Europa in eine Gruppe machtloser Nationalstaaten zerfallen, die von der Weltbühne abzudanken hätten. Europa würde zum Schauplatz nichteuropäischer Groß- und Weltmächte werden, die hier ihre Hegemonialkämpfe austrügen.

Mit dem Brexit kehrt die Irlandfrage zurück, die Großbritannien lange in Atem gehalten hat und die definitiv überwunden schien. Dank der Europäischern Union spielte die Grenze und die Frage der Wiedervereinigung keine Rolle mehr. Ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland konnte beendet werden.

Die neue Weltordnung wird einen pazifischen Schwerpunkt haben. Die meisten Trends sind gegen Europa gerichtet. Dieser neuen Konkurrenz werden die alten europäischen Nationalstaaten einzeln nicht gewachsen sein, wenn sie nicht schnell zusammenfinden. Selbst dann noch wird es riesiger Anstrengungen bedürfen. Und ein Zurück in die Vergangeheit ist so ziemlich das letzte, was den Europäern dabei helfen wird (SZ 1.10.18).

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.