1. Chemnitz ist kein Einzelfall.
Ähnliche Ereignisse hatten wir in Rostock-Lichtenhagen, Cottbus, Hoyerswerda, Freithal, Heidenau und anderswo. Und das Gerede, all diese Phänomene wie Fremdenhass, Rassismus, Fanatismus, Antisemitismus gebe es auch im Westen, enthält ein Gran Wahrheit, geht aber an der Sache völlig vorbei, weil es verkennt, dass Hauptursache dafür die DDR ist. Versagt hat in erster Linie die sächsische CDU, welche die Verhältnisse in Sachsen seit Kurt Biedenkopf schöngeredet hat bis hin zu den 27 Prozent der AfD bei der Bundestagswahl am 24. September 2017.
Ich habe von 1975 bis 1990 das DDR-Massenkommunikationssystem erforscht (die Ergebnisse liegen alle schriftlich vor) und wurde dafür von den Linken kritisiert, welche die negativen Erscheinungen dort nicht wahrhaben wollten.
2. Mannigfache Nachteile kennzeichneten die DDR. Sie kam nach einer kurzen Übergangsphase (1945-1949) ziemlich direkt aus der NS-Zeit und sollte mit Sowjet-Methoden verbessert werden, was auch wirtschaftlich fehlschlug. Sie war keine Demokratie und kein Rechtsstaat, was vor allem bedeutet, dass hier das staatliche Handeln selbst durch unabhängige Gerichte rechtlich hätte kontrolliert werden können. Es fehlte an demokratischer politischer Bildung. Die Menschen waren Propagandamedien ausgesetzt (Propaganda, Agitation, Organisation). Sie hatten keine Auslandserfahrungen. Unternehmen und Arbeitnehmer berücksichtigten nicht die Kategorie der Produktivität. Das Bildungssystem war einseitig auf Staatstreue ausgerichtet. Pfarrerskinder durften regelmäßig nicht studieren. Der Wohnungsbau trieb seine Plattenbau-Blüten. Der erfolgreiche DDR-Sport war eine Doping-Wüste.
3. Auch heute haben die ehemaligen DDR-Bürger noch richtige Nachteile: bei der fehlenden Anerkennung ihrer Biografien, bei Löhnen und Gehältern, bei den Renten, bei den geringeren Investitionen als in den alten Bundesländern. Und manchem mehr. Trotzdem wollen die meisten die DDR nicht zurückhaben.
4. Infolge all dessen sehen viele Bewohner der neuen Bundesländer die Bundesrepublik Deutschland wieder als ein „System“, in dem eine „Politikerkaste“, eine „Elite“, sie manipuliert wie in der DDR. Gestützt auf eine „Lügenpresse“. Da gedeihen bekanntlich Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus bestens.
40 Jahre realer Sozialismus sind so schnell nicht aus den Köpfen zu bekommen.
Ein klassischer Vertreter des Systems bin ich selbst: Abiturient, Soldat, Student, Erwachsenenbildner, Hochschullehrer.