2091: Enno Patalas gestorben

Im Alter von 88 Jahren ist in München der Filmhistoriker, Filmkritiker und Filmeditor Enno Patalas gestorben. Er war dort 21 Jahre lang Direktor des Filmmuseumns gewesen. Für uns Nachkommenden war Patalas so wichtig, wie man es sich heute kaum noch vorstellen kann. Allein seine mit Ulrich Gregor veröffentlichte „Geschichte des Films“ gab uns einen Begriff von Kino, auch von deutschem Kino, der so ganz anders war als der Film, der als „Opas Kino“ nach 1945 gerade auf den Hund gekommen war. Dieser Begriff zielte nicht auf Hollywood.

Patalas orientierte sich am italienischen Neorealismus (Rosselini, Visconti, de Sica), den der Student als jene existentielle Reaktion auf die Erschütterungen durch den Faschismus empfand, die er im deutschen Nachkriegsfilm schmerzlich vermisste. Sein Vorbild war der Stummfilm eines Friedrich Wilhelm Murnau. Filmkritik als Gesellschaftskritik und die filmhistorischen Vorarbeiten von Siegfried Kracauer prägten Enno Patalas‘ Perspektive. Er begründete 1957 die Zeitschrift „Filmkritik“ mit nach dem Vorbild der Pariser „Cahiers du Cinéma“. Und er hat uns Alfred Hitchcock ganz gezeigt. Der deutsche Titel von Francois Truffauts Buch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ stammte von Enno Patalas.

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