Unter das Motto „Des Glückes Unterpfand“, drei Wörtern aus unserer Nationalhymne, hat der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck seine Sommerreise 2018 gestellt. Eine Sommerreise eines Grünen? Habeck will sich mit Heimat und Identität auseinandersetzen. „Wie schaffen wir Leidenschaft für das Versöhnende, nicht das Trennende?“
Habeck war schon beim Hermannsdenkmal. Er will noch zum Hambacher Schloss, in die Paulskirche, zur Wartburg, zum Freiheitsmuseum in Rastatt (wo die preußischen Truppen 1849 die Revolution niederschlugen), nach Leipzig (wegen der Montagsdemonstrationen 1989). Habeck besucht Orte, die sehr deutsch sind und bisher wenig mit seiner Partei zu tun haben. Er will bestimmte Orte nicht preisgeben. Er sucht nach dem Versöhnenden. Deutschland erscheint ihm zur Zeit hypernervös, gereizt und orientierungslos.
Aber zu Recht sagt Sebastian Gubernator (Die Welt 14.7.18) etwa zum Hermannsdenkmal: „Es ist schwer, dieses Denkmal mit etwas Positivem in Verbindung zu bringen.“ Habeck versucht es trotzdem. Er spricht mit Soldaten (auch über ihre Auslandseinsätze), obwohl er selbst Zivildienst in einem Heim für Schwerstbehindert abgeleistet hat. „Auslandseinsätze muss man differenziert betrachten. Manchmal können militärische Einsätze die Bedingung für Frieden sein.“
Manche Aussagen von Habeck zu seiner Reise wirken schwammig. Das liegt daran, dass solch ein Vorhaben für einen Grünen schwierig sein könnte. Dann weicht Habeck, der rhetorisch versiert ist, ins Akademische aus. Hoffentlich spucken Ökospießer nicht in die Suppe. Mir ganz persönlich gefällt Habecks Versuch. Aber ich kann mir sehr bedachte Menschen vorstellen, die eher Vorbehalte haben. Geben Sie Robert Habeck dennoch eine Chance.