Viele politisch nicht besonders Kundige kritisieren die Erweiterung der EU (ohne das Vereinigte Königreich 27 Staaten) nach Ostmitteleuropa. Die Staaten seien noch nicht so weit, heißt es dann häufig. Dort herrsche noch Korruption. Was dabei allerdings vergessen wird, ist das Wichtigste bei der Beurteilung der Lage. Die Tatsache nämlich, dass die weitaus größten Bevölkerungsgruppen in den folgenden Ländern keine Lust mehr haben, sich
erneut russischer Vorherrschaft (bis 1991: Sowjetunion) zu unterwerfen:
Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Slowenien.
Nun hat die EU-Kommission empfohlen, mit
Albanien und Mazedonien
Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Das ist sehr zu begrüßen. Dabei sind geopolitische und strategische Fragen ebenso zu berücksichtigen wie unsere Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen. Die Staaten sind der EU geografisch nah und auf vielfältige Weise historisch, kulturell und wirtschaftlich verbunden. Das schreibt auch der Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth (SPD) in der FAZ (2.6.18). Potentielle EU-Beitrittskandidaten sind ebenso:
Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Serbien.
Der „Westbalkan“ gehört zu Europa. Auf diesem Feld sind aber bereits heute China und Russland strategisch aktiv. Einige arabische Staaten wie Saudi Arabien fördern die Ausprägung eines konservativen Islam, die dem westlichen Islam auf dem Balkan nicht entspricht.
„Das widerspricht unseren Interessen. Denn der westliche Balkan ist mitnichten der Hinterhof Europas, sondern vielmehr der Innenhof des europäischen Hauses. Die Region ist umgeben von einer Reihe von Mitgliedstaaten der Union – geografisch befindet sie sich also längst im Herzen Europas, nur politisch bleibt sie noch außen vor. Die gesamte Region hat seit dem Gipfel von Thessaloniki von 2003 eine EU-Beitrittsperspektive. Dabei ist offenkundig, dass es auf dem Weg zur Mitgliedschaft noch viel zu tun gibt: Alle Länder haben, wenn auch in unterschiedlichem Maße, mit Korruption und organisiertem Verbrechen, Mängeln bei der Regierungsführung und ungelösten regionalen Konflikten zu kämpfen.“
Der russische Despot und der türkische Sultan gehören nicht zu Europa.