Franz Neumann hätte in der Politikwissenschaft eine gewichtigere Rolle spielen können, wäre der 1900 in Kattowitz (Polen) geborene Wissenschaftler nicht schon 1954 bei einem Autounfall in der Schweiz ums Leben gekommen. Mit seinen ebenfalls jüdischen Mitstreitern
Ernst Fränkel und Hugo Sinzheimer
musste er Deutschland 1933 verlassen. Die zur linken Sozialdemokratie gehörenden Juristen hatten in der Weimarer Republik an einem Arbeitsrecht gearbeitet, das diesen Namen verdiente.
In der Emigration forschte FranzNeumann beständig an der Analyse des Nationalsozialismus mit dem Ziel, diesen zu besiegen. Im babylonischen Judentum fungierte „Behemoth“ als allzerstörerisches Ungeheuer, als Monster, das mit böser Macht nichts anderes will als den Untergang alles Menschlichen.
„Da der Nationalsozialismus ein Unstaat ist, ein Chaos, eine Herrschaft der Gesetzlosigkeit und der Anarchie, welche die Rechte wie die Würde des Menschen ‚verschlungen‘ hat und dabei ist, die Welt durch die Obergewalt über riesige Landmassen in ein Chaos zu verwandeln, scheint uns dies der richtige Name für das nationalsozialistische Regime: Der Behemoth.“
Das Werk erschien 1942: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944.
Nun erscheint nach der deutschsprachigen Erstausgabe von 1977 in der Europäischen Verlagsanstalt, Hamburg 2018, eine 750-seitige Neuausgabe für 38 Euro. Sehr lesenswert. Es bleibt in der SZ (24.5.18) dem ewigen großen Außenseiter Götz Aly vorbehalten, für Franz Neumanns Werk zu werben. Und er verweist gleich darauf, dass hier das in der deutschen Erstausgabe enthaltene Nachwort Ernst Noltes fehlt. Für Nolte, unabhängig davon, was er später traktierte, war „Behemoth“ die „kenntnisreichste und umfassendste Analyse des Nationalsozialismus, die bis heute das Licht erblickt hat“.
Neumanns Ziel war der Sieg über den Nationalsozialismus. „Mehr und bessere Flugzeuge, Panzer und Gewehre sowie eine vollständige militärische Niederlage werden den Nationalsozialismus im Bewusstsein des deutschen Volkes vernichten.“ Zu optimistisch? Neumann weiß: „Die Teilnahme an einem so ungeheuren Verbrechen wie der Ausrottung der Ostjuden machte die deutsche Wehrmacht, das deutsche Beamtentum und breite Massen zu Mittätern und Helfern des Verbrechens und machte es ihnen daher unmöglich, das Naziboot zu verlassen.“