Der neue Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will eine Russlandpolitik betreiben, die an den „Realitäten“ orientiert ist. Moskau habe teilweise auf „Gegnerschaft“ zum Westen geschaltet und agiere „zunehmend feindselig“. Die Analyse stimmt. Die Annektion der Krim und die indirekte Einverleibung der Südost-Ukraine hätte Willy Brandt gar nicht goutiert. Seine Ostpolitik beruhte auf der Unverletzlichkeit der Grenzen, dem Gewaltverzicht und der Nichteinmischung. Gift-Anschläge im Ausland, Cyber-Attacken und die Manipulation der Innenpolitik durch Fake-News-Sender wie „Russia Today“ waren in den Ost-Verträgen nicht vorgesehen. Maas bekommt trotzdem Kritik aus der SPD. Man müsse im Gespräch bleiben und ggf. sogar Vorleistungen erbringen.
„Wie sollen Vorleistungen denn funktionieren? Wird Putin die Krim wieder ausspucken? Seinen Stellvertreterkrieg gegen die Ukraine abblasen? Den Völkermörder Assad fallen lassen? Der Mann ist gewiss kein klassischer Imperialist, sondern ein Opportunist. Er nimmt sich, was er kriegen kann, wenn Risiken und Kosten erträglich sind. Daraus folgt, dass die Genossen ein Gottesgeschenk sind, signalisieren sie ihm doch, er dürfe seine Gewinne kostenlos einstecken. Dazu kommt ein hübscher Bonus: Die Putin-Fürsprecher in der SPD spazieren Hand in Hand mit der AfD, die den Alleinherrscher Wladimir I. geradezu bewundert.“ (Josef Joffe, Die Zeit 9.5.18)