Willi Winkler, mit dem ich in vielen Punkten überhaupt nicht übereinstimme, schätze ich als Journalisten außerordentlich. Er schreibt über Philip Roth (SZ 24.5.18):
„Die Literaturgeschichte wird jetzt tun, was ihr Geschäft ist, wird ihn einsortieren neben, unter, über, zwischen Saul Bellow und John Updike, aber sein nächster Nachbar ist
Woody Allen,
auch er ‚Comedian‘, auch er Jude, auch er, wie es sich gehört, strammer Atheist.“
„Wahrscheinlich, ziemlich sicher sogar, war er denen in Stockholm nicht ernst genug, für einen seriösen Autor zu frivol, einfach zu viel Sex. Eine weitere Sünde, die schon
Graham Greene –
noch so ein frommer Atheist – um die Auszeichnung gebracht hat: die Rücksicht auf das Unterhaltungsbedürfnis seiner LeserInnen.“
„Philip Roth und
John Updike
sahen sich nicht als Konkurrenten, sie waren beide Autoren, und Roth konnte es sogar verschmerzen, als der andere eins seiner Bücher verriss. Vom ehemaligen Soldaten Roth bat sich der Ungediente Updike sogar dessen Nummer aus für seinen Roman. Als reife Herren sind sie sogar einmal zusammen als Pullover-Models auf dem Titel von ‚Esquire“ erschienen.“
„Nach ihrer Trennung schilderte sie
(Claire Bloom, W.S.)
ihn als krankhaft geizig, emotionslos, bindungsunfähig und depressiv, mit anderen Worten: als ganz normalen Schriftsteller. Er war sich jedenfalls seines Wertes bewusst. Zur Scheidung schickte er ihr eine Rechnung über zweiundsechzig Milliarden Dollar.“
„Du, ja du, Nobelpreiskomitee, Stockholm, das ist deine Chance. Statt den Preis in diesem Jahr gar nicht zu verleihen, was an sich schon mal als Zerknirschungsgeste nicht schlecht ist, könntest du ihn in einem Akt ausgleichender Gerechtigkeit dem
unvergleichlichen Philip Roth
nachreichen. Doch, das wäre eine schöne Geste. dafür gibt es, wie ein Atheist wie Philip Roth jederzeit bestätigen wird, beim Jüngsten Gericht Strafnachlass.“