1984: Joseph Beuys‘ völkisches Denken

In seiner neuen Biografie

Beuys. Die Biographie. Band 2. Erweiterte Neuausgabe. Zürich (Riverside), 412 Seiten, 38,50 Euro,

bezichtigt Hans Peter Riegel Joseph Beuys erneut des völkischen Denkens (SZ 9./10.5.18). Es liegt auf der Hand, dass sich sogleich mehrere Beuys-Adepten wie Klaus Staeck und Johannes Stüttgen daran machen, den Maler, Aktionskünstler und Kunstprofessor von solchen Zuschreibungen zu befreien (SZ 16.5.18). Aber das gelingt nicht.

Von Beuys war seit langem bekannt, dass er eine große Nähe zu ehemaligen Nationalsozialisten und Vertretern völkischen Denkens pflegte. Er bewegte sich gerne im Kreise von Stuka-Kameraden. Das Kriegsende hatte er als persönliche Niederlage erlebt. Einen neuen Halt fand er bei dem Lebensreformer und Anthroposophen

Rudolf Steiner (1861-1925),

der ihm mit seiner verschwurbelten Esoterik dazu diente, das, was er erlebt hatte, so hinzudrehen, dass es in einen „fortschrittlichen“ Lebensentwurf hineinpasste. Beuys Schwiegervater, Hermann Wurmbach, war nicht nur Nationalsozialist und Funktionär der Partei, sondern auch Vertreter der NS-Rassenlehre. In Rudolf Steiners Lehre ist der Begriff „völkisch“ an einen Rassismus gekoppelt, bei dem es um die Identität einer Volksgruppe geht.

Der von Beuys gepflegte „Germanenkult“ rief noch bei der Gründung der Grünen Proteste hervor, als Altnazis wie

August Haußleitner, Georg Haverbeck und der Waldschrat Baldur Springmann

mitmischten. Davon haben sich die Grünen seit sehr langem vollständig gelöst. Das von den Genannten gegründete „Collegium Humanum“, in dem die Grünen häufig tagten, ist mittlerweile wegen Holocaust-Leugung verboten. Selbst Rudi Dutschke, der 1979 gestorbene Studentenführer, kam in Kontakt mit Joseph Beuys und traf dann manchmal in Hinterzimmern mit alten Nazis zusammen.

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