1937: Ein neuer Konservatismus ?

Im Fazit meines Buchs „Deutsche Diskurse. Die politische Kultur von 1945 bis heute in publizistischen Kontroversen“, zweite, überarbeitete Auflage. Hamburg 2009, habe ich geschrieben:

„Insgesamt ist an den 20 Diskursen eine deutliche Entwicklung abzulesen. Das liegt nicht zuletzt an der Krise des Konservatismus nach 1945, von der er sich nie ganz erholt hat.“ (S. 187)

Ist die Krise des Konservatismus heute überwunden? Das könnte so erscheinen, wenn wir die „Erklärung 2018“ lesen:

„Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt wird. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die friedlich dafür demonstrieren, dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird.“

Dahinter stehen der Historiker Jörg Baberowski (Humboldt Universität Berlin) und der Zeitschriftenherausgeber Frank Böckelmann („Tumult“). Der Kreis der Unterzeichner ist groß und recht bunt. Dazu gehören Thilo Sarrazin, der „Welt“-Autotester Henryk M. Broder, der ehemalige „Spiegel“-Kulturchef Matthias Matussek, die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld, Michael Klonovsky (AfD), der Chefredakteur der „Jungen Freiheit“, Dieter Stein, der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle, die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin Eva Hermann, der Armin Mohler-Schüler („Konservative Revolution“) Karlheinz Weißmann und andere. Angefragt wurde der Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle, Christian Thielemann, der aber absagte.

Viele der Unterzeichner gehören zu einer seit 2015 bestehenden „Gesprächsrunde“, die sich regelmäßig zweimal im Jahr in Berlin trifft. Dann gibt es einen Vortrag, „gepflegtes Palaver“ und ein gemeinsames Essen. Die Genannten sind sich also bestens vertraut. Henryk M. Broder soll dazu gesagt haben: „Wenn ich Straßenbahn fahre, frage ich auch nicht, ob Leute dabei sind, deren politische Meinung ich nicht teile.“ (Martin Machowecz, Die Zeit 22.3.18)

Repräsentieren die genannten Personen einen neuen Konservatismus in Deutschland?

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