Es ist wohl kein Zufall, dass es mit Uwe Tellkamp und Monika Maron („Munin oder das Chaos im Kopf“, 2018) zwei Autoren mit überwiegend ostdeutscher Biografie sind, die Ächtung konstatieren, wenn man in Deutschland seine Meinung sagt. Aber das ist Unfug. Es war die Stadt Dresden, welche die Autoren Tellkamp und Durs Grünbein zum Thema „Streitbar! Wie frei sind wir mit unseren Meinungen?“ eingeladen hatte. Der Eintritt war frei, tausend Besucher nahmen teil.
Die Beispiele, die Tellkamp zitierte, stammten aus Zeitungen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Allerdings waren sie weithin nicht geeignet. Etwa die Entfernung eines Gedichts von Eugen Gomringer von der Fassade einer Berliner Hochschule. Das Gedicht ist nicht verboten. Es wurde jetzt erst richtig bekannt. Jeder kann sich dazu frei äußern.
„Es ist niemandem in diesem Land verboten, auch noch den größten Unsinn zu verbreiten, nur muss er sich dafür kritisieren und auch widersprechen lassen. Gerade in Dresden wird das seit Pegida permanent trainiert, ständig gibt es Podien, auf denen gestritten, diskutiert und debattiert wird. Freilich nicht immer konstruktiv, aber mit einer ungeheuren Meinungsvielfalt.“ (Stefan Locke, FAS 18.3.18)