1924: Uwe Tellkamp hat das Recht auf seine falsche Meinung.

Mit „Der Turm“ hatte uns Uwe Tellkamp 2008 den Roman geliefert, der es uns ermöglichte, die DDR besser zu verstehen, auch wenn nicht die ganze DDR wie Dresden war. Ein großartiger Roman. Später erfolgreich verfilmt. Uwe Tellkamp eine große literarische Hoffnung in Deutschland. Mittlerweile warten wir Leser auf die Fortsetzung, die unter dem Titel „Lava“ nach neuesten Informationen im Herbst 2019 erscheinen soll. Geht es dabei um die Zeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung oder greift der Roman bis in die Gegenwart aus?

Das interessiert uns nach den politischen Äußerungen Tellkamps zur deutschen Asylpolitik seit 2015 im Dresdner Kulturpalast noch mehr. Johan Schloemann (SZ 13.3.18) fasst Tellkamps Perspektive folgendermaßen zusammen:

„Die Aufnahme von Flüchtlingen war ein Rechtsbruch. Die gleichgeschaltete linke Presse gefährdet die Meiunungsfreiheit. Dagegen erfordert es Mut, die eigentlichen Wahrheiten auszusprechen. Kaum ein Flüchtling ist verfolgt, sondern nur Wirtschaftsmigrant. Thilo Sarrazin hingegen kann als Verfolgter gelten. Das Geld für Einwanderer müsste man lieber in die Rentenversicherung stecken. Der gesamte Osten wird vom Westen für braun erklärt, und der Rassismus ist in erster Linie durch solche Kränkungen erklärbar. Der Islam ist gefährlich für unser Land.“

Damit steht Uwe Tellkamp ganz nah bei den „besorgten Bürgern“, bei Pegida und AfD. Vielleicht war die DDR unter Erich Honecker doch besser für die Menschen? Und hätte sich der Suhrkamp Verlag nicht von Tellkamp distanzieren sollen? Das hatte er doch bei Peter Handke auch nicht getan, als dieser serbische Kriegsverbrecher verteidigte.

2012 hatte Uwe Tellkamp in der „Zeit“ die DDR-Bürger noch folgendermaßen charakterisiert:

„Diese Kleinkariertheit, dieses Kleinbürgertum – der Kleingarten mit der Tischdecke! Mit Eierschecke, Wunschbriefkasten und Oberhofer Bauernmarkt. Das ist doch, was die Menschen an gedanklicher Freiheit gehindert hat. Diese niedrige Gesinnung eines Kleinbürgerstaats. Die DDR war ein Kleinbürgerparadies! Der ewige Kleinbürger, der erst die Nazis wählt und der sich dann auch im nächsten Staat einrichtet. Mit portablem Fernseher, mit ’nem Bier, mit Würtstchen und Grilletta. Und dafür ist Merkel nun wirklich nicht typisch.“

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