1917: Die Ideologie der Freitaler Kriminellen

Die acht Angeklagten der „Gruppe Freital“ müssen zwischen vier und zehn Jahren ins Gefängnis, wie das Gericht entschied. Ulrike Nimz hat dazu den Görlitzer Sozialforscher Raj Kollmorgen befragt (SZ 9.3.18). Er antwortet:

„Die Täter sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Bis auf den Hamburger Rädelsführer gehören sie einer Generation an, die in spezifischer Weise von den Umbruchsprozessen vor und nach der Vereinigung betroffen gewesen ist. Sie haben in ihren Familien nicht nur die Krisen der Neunzigerjahre erlebt, sondern vor allem die Reformen der Agenda 2010. Ohne es despektierlich zu meinen – die Täter sind der unteren Mittel- und Unterschicht zuzurechnen, sozialen Milieus, die von Ausgrenzung und Prekarisierung bedroht sind. In ihrer Deutung wurden während der sogenannten Flüchtlingskrise für Fremde Ressourcen mobilisiert, die man ihnen verwehrte. Dieses Gefühl der Zurücksetzunmg ist der Humus, auf dem fremdenfeindliche Gewalt gedeiht. Dann braucht es in sozialen Gruppen von Nachbarn oder Arbeitskollegen nur noch anschlussfähige Ideologien oder Führungsfiguren, um eine Dynamik der Radikalisierung zu erzeugen.“

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