Vielleicht bleibt die diesjährige Verleihung der Golden Globes doch stärker in Erinnerung als andere. Wegen der gegen sexuelle Verfolgung schwarzen Kleidung der Damen und der Dankesrede der Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, die für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Ihre Rede wurde als Bewerbung für die US-Präsidentschaft 2020 wahrgenommen. Was in Hollywood alles möglich ist!
Und dann bekam der deutsche Film „Aus dem Nichts“ des Hamburgers Fatih Akin noch den Globe als „bester fremdsprachiger Film“. Er erzählt die Geschichte einer Frau (Diane Kruger), die erleben muss, dass ihr Mann und ihr Sohn bei einem ausländerfeindlichen Attentat ermordet werden und hinterher die Justiz versagt. Die Geschichte lehnt sich an den
NSU-Mord
in der Kölner Keupstraße an. Und dies kann bei der politischen Aufarbeitung der NSU-Morde noch eine zentrale Rolle spielen. Der Prozeß gegen Beate Tschäpe in München ist ja noch nicht zu Ende. Das Münchener Gericht hat darauf verzichtet, die Verstrickungen deutscher Behörden (Bundesnachrichtendienst, Landesämter für Verfassungsschutz) in die NSU-Kriminalität aufzuklären. Das wäre aber geboten.
„Aus dem Nichts“ hatte bei der Premiere in Cannes und bei seinem deutschen Kinostart im November eher zwiespältige, nur zögernd-lobende Reaktionen ausgelöst. Unzweifelhaft scheint allein die Leistung von Diane Kruger, die in Cannes mit dem Preis für die beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde (Barbara Schweizerhof, taz 9.1.18).
Der Film (106 min, mit Darstellern wie Ulrich Tukur) läuft im „Lumière“ noch am 13.1 um 19.30 Uhr und am 17.1. um 20.00 Uhr.