1836: Allen und Polanski angeklagt

Die #Metoo-Debatte zieht weite Kreise. Bei der Verleihung der Golden Globes wurde der als Hauptdarsteller in Woody Allens neuestem Film „Wonder Wheel“ frisch Dekorierte Justin Timberlake dafür attackiert, dass er bei dem Film überhaupt mitgemacht hatte. Denn Woody Allen wird (seit langer Zeit) des Missbrauchs seiner Adoptivtochter Dylan Farrow und seines Adoptivsohns Ronan Farrow bezichtigt (Martina Knoben, SZ 11.1.2018).

Alex Rühle hat die Publizistin Catherine Millet interviewt (SZ 11.1.2018), die durch ihren Protestbrief gegen #Metoo in „Le Monde“ Empörung hervorgerufen hatte. Den Brief hatten etwa auch die Schauspielerinnen Catherine Deneuve und Ingrid Caven unterzeichnet:

SZ: Die französische Debatte dreht sich auch um Roman Polanski, gegen den weitere Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden. Viele Frauen protestierten, als eine Retrospektive seiner Filme in der Pariser Cinemathèque francaise gezeigt wurde.

Millet: Wenn Puritanismus zu kultureller Zensur führt, wäre das furchtbar. Die Debatte um Polanski, um den Maler Balthus oder um andere Künstler sollte uns in keinem Fall davon abhalten, ihre Werke anzusehen. Ich bin gegen jede Form von Zensur. Die Frauen, die vor der Cinemathèque francaise demonstrieren, führen uns in ein dunkles Zeitalter des Puritanismus. Gestern habe ich von einer Engländerin gehört, die sagt, man müsse

Dornröschen

verbieten, weil die dem Prinzen nicht erlaubt hat, sie im Schlaf zu küssen. Sind jetzt alle verrückt geworden, oder was?

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