1802: Gabriels SPD

Im „Spiegel“ legt Sigmar Gabriel seine Analyse der SPD nach der Wahlniederlage vom 24. September vor (SZ 18.12.17). Er empfiehlt im Kern eine Rückbesinnung auf die SPD-Stamm-Klientel Industriearbeiterschaft. Diese Industriearbeiterschaft ist zahlenmäßig enorm geschrumpft und sie wird noch weiter abnehmen. Gabriels Analyse ist weithin treffend, in manchen Punkten aber falsch.

Deswegen: Vorsicht!

Zunächst Gabriel: In der SPD gäbe es „oftmals zu viel Grünes und Liberales und zu wenig Rotes“. Die SPD vergäße jene, „die mit dem Schlachtruf der Postmoderne ‚Anything goes‘ nicht einverstanden sind“. Gabriel möchte die Begriffe „Heimat“ und „Leitkultur“ nicht einfach den Konservativen überlassen.

Hier liegt er völlig richtig.

Der „Rechtspopulismus“ sei eine Gegenbewegung gegen die Postmoderne vom Ende des vergangenen Jahrhunderts. Sie sei gekennzeichnet durch die

Relativierung

aller Autoritäten, aller Verbindlichkeiten und allem Verbindenden. Diese „Atomisierung von Arbeits- und Lebenswelten“ werde von einem großen Teil der Industriearbeiter als Abschied von der Moderne begriffen, nicht aber als ihre Vollendung wie bei den Grünen. Die

offenen Grenzen von 2015

seien für viele Industriearbeiter die Extremform von Multikulti, Diversität und dem Verlust jeglicher Ordnung.

„Auch wir haben uns kulturell oft wohlgefühlt in postmodernen Debatten. Umwelt- und Klimaschutz waren uns manchmal wichtiger als der Erhalt unserer Industriearbeitsplätze, Datenschutz war wichtiger als innere Sicherheit, und die Ehe für alle haben wir in Deutschland fast zum größten sozialdemokratischen Erfolg der letzten Legislaturperiode gemacht.“

Hier benennt Gabriel die Rückständigkeiten der Industriearbeiter:

Umweltpolitik und Klimapolitik (siehe Braunkohle).

Es kommt noch hinzu eine gedankenlose

Bildungspolitik.

Diese darf – bei Geltung des Slogans „Bildung für alle“ – doch nicht darin bestehen, alle vernünftigen Leistungsanforderungen zu schleifen (a la „Schreiben nach Gehör“).

Recht hat Sigmar Gabriel mit seinen Äußerungen zur „Leitkultur“ und zur „Heimat“. „Ist die Sehnsucht nach einer ‚Leitkultur‘ angesichts einer weitaus vielfältigeren Zusammensetzung unserer Gesellschaft wirklich nur ein konservatives Propagandainstrument, oder verbirgt sich dahinter auch in unserer Wählerschaft der Wunsch nach Orientierung in einer scheinbar immer unverbindlicheren Welt der Postmoderne?“

Also, liebe SPD: Ja zu „Heimat“ und „Leitkultur“. Nein zu einer unentschlossenen Umwelt- und Klimapolitik. Vor allem aber nein zu einer verfehlten, die anerkannten Werte (Lesen, Schreiben, Rechnen, Digitalisierung etc.) schleifenden Bildungspolitik.

Nichts gegen die Ehe für alle.

Dann gibt es wieder mehr Wählerstimmen.

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