Das Göttinger Institut für Demokratieforschung wurde 2010 von Prof. Dr. Franz Walter im Rahmen der Göttinger Politikwissenschaft gegründet. Es hat heute rund 60 Mitarbeiter. Sehr viele in Teilzeit. Mit der Institutsgründung wurde erstmals empirische politologische Forschung an der Georg-August-Universität verankert, wo vorher – abgesehen von Prof. Dr. Peter Lösche – andere Vorgehensweisen vorherrschten. Das Institut war von Anfang an gefragt. Gegenwärtig wird es kommissarisch von der Politologin Stine Marg geleitet.
Das Institut hat zahlreiche Studien veröffentlicht. Auf großes Interesse stießen Untersuchungen zu
Pegida
und zur
Pädophilie-Debatte bei den Grünen.
Die Studie „Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland“ vom Sommer 2017 passte nicht ins Bild der Bundesregierung. Die Ostbeauftragte Iris Gleicke ließ sie fallen. Inzwischen ist sie durch das Wahlergebnis vom 24. September wieder im Gespräch.
Am Institut gibt es neuerdings eine „Bundesfachstelle linke Militanz“, die sich auf Forschungen zum Linksextremismus spezialisieren will. Sie erhält auch Geld vom Familienministerium. Das Institut betont aber, dass eine Einmischung der Sicherheitsbehörden in die Forschung ausgeschlossen ist. Die „Bundesfachstelle“ will Erkenntnisse zur Rekrutierung und Zusammensetzung, zu inneren Kommunikationsweisen und zu Entscheidungsprozessen der Linksextremisten gewinnen. Dabei sollen pädagogische Ansätze zur „Prävention demokratiefeindlicher Aspekte linksradikaler Denk- und Verhaltensweisen“ entwickelt werden. Forschungsziel: „eine wissenschaftlich fundierte Ethnologie der linken Militanz“. Als Methoden kämen leitfadengestützte und biografisch-narrative Interviews, Gruppendiskussionen und die Analyse politischer Schriften sowie von Debatten in sozialen Netzwerken in Frage.
Die politische Linke in Göttingen verweigert sich dem. Eine Frau aus der linksextremen Szene sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich unsere Gruppe für Befragungen zur Verfügung stellt oder duldet, dass Wissenschaftler zu unseren Treffen kommen.“ (Reimar Paul, taz 1.12.17)
Das verwundert nicht. Denn seit meinem Studium der Sozialwissenschaften in Göttingen (1968-1972) fällt die extreme Linke, die seinerzeit hauptsächlich im SDS angesiedelt war, durch zwei Eigenschaften auf:
ihre Bedeutungslosigkeit
und
ihre Gewaltbereitschaft.