In Deutschland studieren 2,8 Millionen Menschen, dreimal so viele wie vor 40 Jahren. Das klingt für eine Aufstiegsgesellschaft verheißungsvoll. Inzwischen werden aber
19 ooo verschiedene Studiengänge
angeboten. Dazu zählen heute Fächer wie „Designpädagogik“, „vegane Ernährung“ und „Ressourcenmanagement für Entwicklungsförderung“. Früher studierte man „BWL“ oder „Geschichte“. Die hohe Spezialisierung gaukelt Zukunftsfestigkeit nur vor. Ich rechne damit, dass manche Designpädagogen als Sekretärinnen oder Taxifahrer arbeiten.
Die Mikrospezialisierung mag auf einen bestimmten Job vorbereiten, nicht aber auf eine unübersichtliche Welt, die viele Fähigkeiten verlangt. Bildung heißt: sich eine Welt aneignen, nicht: nur ein Planquadrat verstehen. Wer soll denn dann mit seinem Weltwissen den
Feinden der Freiheit
entgegentreten? „Statt sich immer stärker zu parzellieren, sollten die Hochschulen also lieber auf das große Ganze blicken. Ingenieure müssen Ethik verstehen, Romanisten Programmieren und Absolventen der Kreuzfahrttouristik auch Religionskonflikte.“ (Manuel J. Hartung, Die Zeit 26.10.17)